
„Bücher verändern uns. Bücher retten uns. Ich weiß das, weil ich es selbst erlebt habe.“ (Zitat von Elif Shafak, Track 5)
Die 26-jährige Studentin Marie Ledoux muss raus aus Paris, will räumlich und gedanklich Abstand schaffen zu bestimmten Geschehnissen. Sie fährt kurzerhand mit dem TGV nach Brüssel und dann in die belgische Provinz.
Im Zug trifft sie auf die Isländerin Jónína, eine 77‑jährige Buchhändlerin, die in Redu lebt und Marie spontan mit in ihr Dorf nimmt.
Redu ist ein kleiner Ort in den belgischen Ardennen, hat 390 Einwohner, 13 Buchhandlungen, einen Fernseher, einen Internetanschluss und ringsherum wunderschöne Natur. Und dort trifft Marie auch auf die mürrische Mathilde.
Mathilde und Marie hat mich durchaus unterhalten. Doch letztendlich war der Roman nicht ganz nach meinem Geschmack. Die Sprache ist recht gestelzt; hier wird zum Beispiel Notdurft verrichtet, Bücher werden studiert, Dinge muten an und Lebensadern reißen. Dabei ist es nicht so, dass nur die älteren Figuren im Buch so reden, sondern auch die noch junge Marie, was ich recht wenig überzeugend fand.
Für mich war Mathilde und Marie ein eher bemühter Roman mit viel Pathos. Ich fand den ganzen Plot nicht entschleunigend, sondern die Art, wie die Figuren sich besonders gewählt und achtsam ausdrücken und verhalten, hat mich eher etwas kirre gemacht. Zudem fand ich alle Figuren im Roman eher unangenehm, bisweilen übergriffig, bisweilen naiv.
Auch die Lesung von Sabine Arnhold hat mir nicht gut gefallen, war für meine Ohren auch zu gestelzt und zu unnatürlich.
Torsten Woywod: Mathilde und Marie. Ungekürzte Lesung von Sabine Arnhold. Argon Verlag, 2026; 20,95 Euro.