
„Aufklärung betreiben, Vorurteile abbauen, Verständnis schaffen und einen offenen Dialog über psychische Erkrankungen fördern“ (Seite 11)
Niko Andrija Rukavina erzählt in seinem Buch initial, was die paranoide Schizophrenie überhaupt ist, geht etwas näher auf das Vulnerabilitäts‑Stress‑Modell ein und schließt an das erste Kapitel einen Absatz mit eigenen Erfahrungen an.
Danach geht er auf verschiedene Aspekte ein, die man im Blick behalten sollte, wenn man an paranoider Schizophrenie erkrankt ist. Er spricht zum Beispiel über Ernährung, Sport, Achtsamkeit und Entspannung, berichtet von Paranoia, vom Erkennen von Wahn und vom Erlernen einer Realitätsanpassung und geht näher auf Spiritualität ein.
Im vierten Abschnitt setzt sich der Autor mit der wichtigen Struktur im Alltag auseinander, bietet Informationen zu Tagesstruktur und zu Kreativität.
Im Folgenden findet sich ein kurzer Exkurs zur Akzeptanz‑ und Commitment‑Therapie (ACT), zu den Themen Schizophrenie und Arbeit sowie Schizophrenie und soziales Netzwerk. Am Ende bietet Rukavina Hinweise, wie man Klinikaufenthalte besser meistern kann.
Ich befasse mich schon seit mehr als drei Jahrzehnten mit Schizophrenie und Psychosen, sodass viele Inhalte in diesem Buch nichts Neues für mich waren.
Aufgrund meiner Expertise empfand ich einige Inhalte als etwas unscharf und vage, zum Beispiel die Beschreibung der Plus- und Minussymptomatik sowie die Erwähnung der Dopamin-Hypothese. Die Terminologie „chronisch krank“ oder „schizophrene Menschen“ ist etwas, das ich als psychologische Psychotherapeutin im Bereich der Psychosenpsychotherapie nicht mehr verwende, da ich dies oft unpassend und sogar stigmatisierend finde. Auch die Empfehlung für Videospiele fand ich ein wenig einseitig. Zwar gibt der Autor eine kurze Warnung, aber ich fand diese etwas verharmlosend. Ich kenne so viele Betroffene, die in großem Umfang Videospiele spielen, sich zu Hause völlig zurückziehen, sehr einsam sind und keine/wenig Freude an irgendetwas haben, den Fokus zu stark auf Videospiele legen. Hier hätte ich mir einen etwas komplexeren Umgang mit der Thematik gewünscht.
Der Erfahrungsbericht hat mir sehr gut gefallen, und die vielen Tipps, die der Autor gibt und die er mit Studienergebnissen untermauert, empfand ich als sehr hilfreich für Betroffene, aber auch für Angehörige.
Dieses Buch kann meiner Meinung nach eine gute Unterstützung bieten, zeigt sehr gute und wichtige Impulse und Informationen, zumal diese durch die Betroffenenperspektive sicherlich gut annehmbar sind: Hier schreibt jemand, der selbst psychische Krisen bewältigt hat.
Wundervoll fand ich, wie viel Hoffnung und Zuversicht Rukavina vermittelt, was meiner Meinung nach der wichtigste Motor für Genesungsprozesse ist.
Den starken Fokus auf Ärzte und Medikamente empfand ich persönlich als nicht mehr zeitgemäß, denn mittlerweile spielen Psychotherapeuten und psychotherapeutische Strategien eine immense Rolle bei der Behandlung der Schizophrenie und anderer Psychosen – was hier im Buch meiner Meinung nach zu sehr untergeht, obgleich der Autor sehr überzeugt von ACT ist und hiervon sehr profitiert hat.
Trotz meiner (kleineren) Kritikpunkte empfinde ich dieses Buch als sehr hilfreich für Betroffene und kann es empfehlen.
„Ich habe immer noch Probleme und schlechte Gedanken, aber ich habe auch Hoffnung und Zuversicht, dass ich ganz gesund werde und ein produktives, erfolgreiches Leben leben kann, trotz Schizophrenie. Ich habe schon sehr viel erreicht. Und das Wichtigste: Ich möchte so vielen Menschen wie möglich helfen. Das ist mein Auftrag. Wenn mir dies gelingt, dann war all mein Leiden nicht umsonst.“ (Seite 34)
Niko Andrija Rukavina: Die Seele will gesund werden. Impulse für ein erfolgreiches Leben mit Schizophrenie. Vandenhoeck & Ruprecht, 2026, 136 Seiten; 25 Euro.