Soteria im Gespräch. Über eine alternative Schizophreniebehandlung von Elisabeth Aebi, Luc Ciompi und Hartwig Hansen (Herausgeber)

„Weil Soteria nach wie vor eine gültige Alternative zur aktuellen, einseitig neurobiologisch beherrschten Mainstream-Schizophreniebehandlung bietet.“ (Seite III-IV)

Menschen in akuten Phasen einer Schizophrenie werden für gewöhnlich in der unruhigen Umgebung einer akutpsychiatrischen Station behandelt, wodurch sie zusätzlich belastet werden, und diese zusätzliche Belastung führt nicht selten zur Behandlung mit hohen Antipsychotikadosen, was wiederum teils massive und belastende Nebenwirkungen nach sich zieht.

Dieser Sachverhalt hat Luc Ciompi dazu veranlasst, ein eigenes psycho-sozio-biologisches Modell der Schizophrenie zu formulieren und eine spezielle Behandlungsmethode daraus abzuleiten. Das Resultat seiner Überlegungen und Bemühungen ist die Soteria Bern. Hier wird ein kleines überschaubares Behandlungsmilieu geboten, das auf Abschirmung von verwirrenden und angstauslösenden externen Einflüssen und auf eine kontinuierliche Unterstützung durch stabile und empathische Beziehungsarbeit setzt, wodurch ein beruhigendes Umfeld für Menschen mit Schizophrenie geboten werden kann.

In Soteria im Gespräch erfährt der Leser, wie Soteria entstand, welche Konzepte dem Behandlungsansatz zugrunde liegen, welche Erfahrungen Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter mit Soteria gemacht haben, wie Fachleute von außen auf die Soteria blicken und wie die bisherige Forschungslage aussieht.

Ich beschäftige mich schon seit über 25 Jahren mit der Schizophrenie, habe einen starken Motor für mein Interesse, meine Leidenschaft und mein Engagement für die Schizophrenie und ein großes Herz für Menschen mit Schizophrenie. Soteria kommt meiner perfekten Vorstellung für den Umgang mit Betroffenen und die Behandlung der Schizophrenie sehr nahe, so dass die Arbeit in einer Soteria, die es mittlerweile auch außerhalb Berns gibt, eine Art Wunschbetätigungsfeld für mich ist.

Auch nach der Lektüre des Buches hat sich an meiner Begeisterung für Soteria nichts geändert, obwohl die Autoren deutlich machen, dass auch Soteria kein Allheilmittel ist und (leider) nicht für jeden Betroffenen gleich gut geeignet, wirk- und heilsam ist.

Mich bewegt es immer sehr, wenn sich Personen mit viel Herzblut für an Schizophrenie Erkrankte engagieren, und so haben mich vor allem die Schilderungen Ciompis berührt, in denen er von der Unterstützung erzählt, die Soteria erfahren hat.

Das Buch ist sehr informativ, und durch den trialogischen Ansatz erfährt man als Leser sehr viel von den verschiedenen Perspektiven und unterschiedlichen Blickwinkeln bezüglich der Behandlung in der Soteria, von positiven Aspekten, aber auch von Stolpersteinen.

„Ich hatte mich schon jahrelang intensiv mit Schizophrenie befaßt und suchte in den verschiedensten Richtungen nach besseren Behandlungsmöglichkeiten. Das Beste, was ich fand, war für mich ganz klar die Soteria!“ (Seite 16, Interview mit Luc Ciompi)

Elisabeth Aebi, Luc Ciompi und Hartwig Hansen (Hrsg.): Soteria im Gespräch. Über eine alternative Schizophreniebehandlung. Paranus Verlag, 2013, 188 Seiten; 19,95 Euro.

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