Provenzalische Schuld von Sophie Bonnet

„Alle Brücken abbrechen.“ (Seite 45)

Pierre Durand und seine Freundin Charlotte freuen sich auf ihren ersten gemeinsamen Urlaub, doch wenige Tage vor der Abreise erhält Pierre einen besorgten Anruf von Arnaud Rozier, dem Bürgermeister von Sainte-Valérie. Arnauds Ehefrau Nanette ist seit fast 2 Wochen verschwunden, seit sie nach einem Streit mit Arnaud das Haus verlassen hat.

Arnaud vermutet, dass Nanette etwas Abstand und Ruhe braucht, aber dann taucht die Kriminalpolizei bei ihm auf, weil diese einen anonymen Hinweis erhalten hat, dass Arnaud seiner Frau etwas angetan haben könnte. Daraufhin bittet Arnaud Pierre, inoffiziell nach Nanette zu suchen.

Pierre spricht mit verschiedenen Personen und entwickelt schnell mehrere Szenarien, was passiert sein könnte, die von einer endgültigen Trennung Nanettes von ihrem Ehemann über den Versuch der Kompromittierung Arnauds im Wahlkampf bis zu einer Entführung Nanettes und Erpressung Arnauds reichen. Oder hängt die Angelegenheit sogar mit den Morden an zwei Frauen in der Haute-Provence zusammen, die beide vorher vermisst gemeldet und dann erschossen aufgefunden wurden?

Ich kenne die vier Vorgänger der Reihe und die Provence von eigenen Reisen, und obwohl der kleine Ort Sainte-Valérie fiktiv ist, könnten die Bücher z.B. problemlos in einem der wunderschönen Orte des Luberon spielen. Beim Lesen von Sophie Bonnets Romanen habe ich immer Lavendel- und Klatschmohnfelder, die ockerfarbenen Häuser in Roussillon und das besondere Licht der Provence vor Augen, spüre die flirrende Hitze und den heißen Wind, höre die Zikaden – d.h. ich bin mit Haut und Haar in Südfrankreich. Das ist mir auch mit dem 5. Band der Reihe passiert, obwohl Provenzalische Schuld im November spielt und ich in dieser Jahreszeit noch nie in Südfrankreich war.

Ich habe Provenzalische Schuld an einem sonnig-heißen Sonntag in Deutschland gelesen, und obwohl der Roman im Spätherbst spielt, hat sich das trotzdem genau richtig angefühlt. Beim Lesen konnte ich mir die Landschaften, Personen, Situationen perfekt vorstellen, zumal ich nicht nur die Gegend um das fiktive Sainte-Valérie, sondern auch die Haute-Provence kenne.

Provenzalische Schuld ist stimmungsvoll und unterhaltsam, die Protagonisten sind gut charakterisiert, und ihre Weiterentwicklung und ihre Beziehungen zueinander von Band zu Band zu beobachten, hat mir – wie immer – großen Spaß gemacht.

Die Auflösung fand ich persönlich etwas zu unglaubwürdig, aber der Weg dahin mit der wundervollen Provence-Atmosphäre, den Einblicken in Landschaftsformen, Küche, Mentalität, Naturschutz, Probleme der Provence und verschiedene Konfliktparteien sowie die vielen Fährten, die Bonnet (das Pseudonym einer deutschen Autorin) legt, hat mir extrem gut gefallen, so dass ich das Buch (bzw. die gesamte Reihe) allen empfehle, die sich auf eine Provence-Reise einstimmen, vor Ort in die passende Stimmung kommen oder zu Hause in Erinnerungen schwelgen wollen.

Dies sind die bisher erschienen Bände um Pierre Durand:
Band 1: Provenzalische Verwicklungen
Band 2: Provenzalische Geheimnisse
Band 3: Provenzalische Intrige
Band 4: Provenzalisches Feuer
Band 5: Provenzalische Schuld

Sophie Bonnet: Provenzalische Schuld. Ein Fall für Pierre Durand. Blanvalet, 2018, 332 Seiten; 15 Euro.

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