Ich rede von der Cholera. Ein Bericht aus Paris von 1832 von Heinrich Heine

„Eine Totenstille herrscht in ganz Paris. Ein steinerner Ernst liegt auf allen Gesichtern.“

Im Mai 1831 machte sich Heinrich Heine auf den Weg nach Paris, und im Dezember des gleichen Jahres war Heine Korrespondent der bedeutendsten deutschsprachigen Tageszeitung der damaligen Zeit.

Im Frühjahr 1832 wurde Paris von der Cholera heimgesucht, und Heine beschließt, die Stadt nicht fluchtartig zu verlassen, sondern über die Auswirkungen der Cholera auf das Leben in Paris zu berichten.

Das Buch enthält neben Heines packendem Bericht auch das Faksimile des Originalartikels.

Fast 200 Jahre liegt die von Heine beschriebene Cholera-Epidemie zurück, und dennoch lassen sich in Heines Bericht viele Parallelen zur Corona-Pandemie ziehen.

Heine erzählt von weit verbreiteter Unterschätzung der Cholera, von der Verhöhnung der Gefahren, von Feiern in den Straßen, von der Auflehnung gegen Schutzmaßnahmen, von Hoffnung auf den Untergang der aktuellen Regierung, von Wut, Morden und Gewalt, von Verschwörungstheorien und Verharmlosung der Epidemie.

Die Sprache Heines ist recht antiquiert, die Sätze sind oft lang und verschachtelt, die Wortwahl ungewöhnlich, was aufgrund der Tatsache, dass es sich um einen fast 200 Jahre alten Bericht handelt, nicht überrascht.

Aufgrund der genauen Beobachtungsgabe Heines und nicht zuletzt aufgrund der faszinierenden Parallelen zu Covid-19 liest sich das Buch jedoch schnell und flüssig. Heine zeigt in seinem knappen Text das alltägliche Grauen, so wie er es in der Cholera-Epidemie erlebt hat.

Ich rede von der Cholera ist ein wichtiges Zeitdokument und zeigt, wie sich Geschichte scheinbar immer aufs Neue wiederholt, wie Irrglaube, Vorurteile und Alternativerklärungen Menschenleben gefährden.

„Ich rede von der Cholera, die seitdem hier herrscht, und zwar unumschränkt, und die, ohne Rücksicht auf Stand und Gesinnung, tausendweise ihre Opfer niederwirft.“

Heinrich Heine: Ich rede von der Cholera. Ein Bericht aus Paris von 1832. Hoffmann und Campe, 2020, 64 Seiten; 14 Euro.

Dieser Post ist Teil des Monatsthemas „Körperliche Krankheit“ im April 2021.

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