Die Sonne und die Mond von Chris Kraus

„Ihr größter Gegner, das war der Tod. Sie fand ihn grauenhaft, obwohl er gut zu ihr war.“ (Seite 13)

Der Tod ist schon früh Teil von Sonja Melings Leben: Ihr Vater suizidierte sich, als sie 17 Jahre alt war. Als Erwachsene betreibt Sonja, genannt Sonne, ein Beerdigungsinstitut im Prenzlauer Berg, den „Sommernachtstraum“.

Eines Tages kommt eine frühere Freundin zu Sonne: Jana von Mond, die mittlerweile ein Comedy-Star ist. Deren Ehemann Said ist gemeinsam mit seiner Affäre – gleichzeitig die Psychologin von Jana – bei einem Autounfall gestorben, und Jana möchte, dass Sonne sich um die Beerdigung kümmert.

Doch Sonne weigert sich zunächst, zu viel ist zwischen ihr und Jana passiert, zu viel hat die beiden entzweit. Doch schließlich unterstützt sie Jana doch.

Chris Kraus schreibt wirklich meisterhaft und hat einen kreativen Umgang mit Sprache, der mir sehr gut gefallen hat. Die Lektüre hat mir diesbezüglich einfach Spaß gemacht. Sowohl die Figuren als auch die Handlungsorte fand ich sehr liebevoll und detailreich charakterisiert, und durch diese genauen und lebendigen Beschreibungen werden die handelnden Personen erlebbar und spürbar. Auch die Szenerie konnte ich mir perfekt vorstellen.

Jana empfand ich als extrem unsympathisch – auch wenn sich im Laufe des Buches immer mehr Facetten zeigen und entblättern, so dass man als Leser die Figuren im Buch nicht in Schwarz oder Weiß einteilen kann, sondern diese als komplexe Personen beschrieben werden.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen – er ist mal lustig, mal traurig, dabei immer anspruchsvoll und dennoch leicht lesbar. Ich empfand das Buch aber als deutlich zu lang, so dass ich zwischendurch immer wieder quergelesen habe.

Chris Kraus: Die Sonne und die Mond. Diogenes, 2025, 608 Seiten; 25 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!