Die Nibelungen von Burkhard Neie

„So hatte Siegfried alle, die gegen ihn zu kämpfen gewagt hatten, erschlagen oder besiegt, und nun war er der Herr über das Nibelungenland und den Nibelungenhort.“ (Seite 10)

Xanten am Niederrhein: Der Königssohn Siegfried möchte bei Mime das Schmiedehandwerk erlernen, doch Mime will den Königssohn bald loswerden, der mit allen Gesellen Streit anfängt und mit dem niemand arbeiten möchte. Und so schickt Mime Siegfried unter dem Vorwand des Kohlenbrennens in den Wald und hofft, dass Siegfried auf den dort lebenden Drachen trifft und nicht mehr aus dem Wald zurückkehrt.

Doch der mutige und kampfgewandte Siegfried tötet den Drachen und „steckte den Finger in das dampfende Drachenblut, und siehe da, der Finger war von einer festen Hornhaut überzogen, daß kein Schwert ihn ritzen konnte. Da warf Siegfried rasch seine Kleider ab und bestrich sich von oben bis unten mit dem Drachenblut, so daß seine Haut hörnern wurde bis auf eine kleine Stelle am Rücken zwischen den Schultern, wo ein Lindenblatt hingefallen war.“ (Seite 9)

Danach besteht Siegfried weitere Abenteuer, die ihn schließlich nach Worms an den Hof des Königs Gunther und zu dessen Tochter Kriemhild führen, um deren Hand er anhält und die er zur Frau nimmt, nachdem er Gunther zur Hochzeit mit Brünhild, der Königin von Island, verholfen hat.

Jahre später geraten Kriemhild und Brünhild in einen Streit, und Hagen von Tronje, ein enger Gefolgsmann Gunthers, trachtet Siegfried nach der Ehrverletzung seiner Herrin Brünhild nach dem Leben.

Ich habe in der Schule Teile des Nibelungenlieds gelesen, aber nie das gesamte Werk, obwohl ich große Wagnerianerin bin. Durch die wunderschön illustrierte Insel-Bücherei-Ausgabe habe ich es aber endlich geschafft, das komplette Heldenepos, das um 1200 entstanden ist, zu lesen.

Die Nacherzählung von Gretel und Wolfgang Hecht ist wirklich erstklassig: Das Epos lässt sich durchweg flüssig lesen, wird aber dennoch authentisch wiedergegeben und versetzt einen beim Lesen in eine andere Zeit.

Die Zeichnungen im Buch sind meisterhaft und machen Die Nibelungen zu einem noch größeren Vergnügen, als das Buch durch den wunderbar aufbereiteten Text ohnehin schon ist. Die stimmungsvollen Illustrationen mit den schönen Details inszenieren das Nibelungenlied auf perfekte Weise, so dass diese Geschichte um Liebe und Hass, Neid und List, Vergebung und Rache von Anfang bis Ende ein großes Erlebnis und ein echtes Leseabenteuer ist.

Die Nibelungen. Nacherzählt von Gretel und Wolfgang Hecht. Illustriert von Burkhard Neie. Insel Verlag, 2019, 152 Seiten; 16 Euro.

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