Bleib bei mir von Ayọ̀bámi Adébáyọ̀

„Wenn die Last zu groß ist, zu groß über eine zu lange Zeit, knickt selbst die Liebe ein, bekommt Risse, droht zu zerbrechen und zerbricht manchmal. Aber auch wenn sie in tausend Scherben verstreut um unsere Füße liegt, ist es noch immer Liebe.“ (Seite 28)

Yejide und Akin haben aus Liebe geheiratet und sich – ganz entgegen der nigerianischen Tradition – gegen die Polygamie entschieden. Doch dass Yejide nicht schwanger wird, belastet nicht nur das Paar, sondern wird zunehmend von Akins Familie thematisiert. Jeden Monat schickt Akins Mutter eine potenzielle Heiratskandidatin in Akins Büro, doch er lehnt stets ab. Bis er Funmi vorgestellt wird, die er schließlich heiratet, weil sie ihm der beste Kompromiss zu sein scheint, denn Funmi erklärt sich bereit, nicht im gleichen Haus wie Yejide und Akin zu leben.

Die Beziehung zwischen Akin und Yejide bekommt Brüche, und Yejide weiß, dass sie schwanger werden muss, um Akin zu halten. Und sie ist bereit, dafür jeden Preis zu zahlen.

Ayọ̀bámi Adébáyọ̀, die mit Bleib bei mir auf der Shortlist des Baileys Women‘s Prize for Fiction stand, erzählt in ihrem Debütroman vom Druck, der auf nigerianischen Frauen lastet, die nur durch eine Schwanger- und Mutterschaft Wert für die Familie, für die Gesellschaft und als Frau erlangen.

Adébáyọ̀s Ausführungen sind eindringlich, und durch den Perspektivenwechsel (Akin/Yejide) gelingt es ihr, Spannung aufzubauen, die Geschehnisse von zwei Seiten zu beleuchten, die Traditionen und Rituale aus männlicher und weiblicher Sicht zu beschreiben und so ein komplexes Bild der nigerianischen Gesellschaft zu zeichnen. Dabei hat Adébáyọ̀ ihre Protagonisten durchweg überzeugend charakterisiert, lebendig und lebensnah beschrieben, so dass man beim Lesen das Gefühl bekommt, die Beweggründe, Aktionen und Reaktionen der handelnden Personen stets nachvollziehen und ihre Gefühle und ihre Gedanken verstehen zu können.

Keine der Figuren ist nur Täter oder nur Opfer, ist nur sympathisch oder nur unsympathisch, was dazu führt, dass Bleib bei mir die Beziehung zwischen Akin und Yejide in ihrer Gesamtheit beschreibt, auf alle Höhen und Tiefen eingeht. Dabei gleitet die Autorin nie in Klischees ab, und ihre Geschichte, in der es um Liebe, Enttäuschung, Hoffnung, Ablehnung und Verlust geht, ist an keiner Stelle schnulzig oder übertrieben emotional.

Neben den Schilderungen der Ehe und des Familienlebens erfährt der Leser über diverse Nebenschauplätze der Geschichte zudem von weiteren Aspekten Nigerias, von zunehmender Gewalt, von Raubüberfällen, von politischen Umwälzungen, auch wenn der Fokus eindeutig auf der Beziehung zwischen Akin und Yejide liegt.

Mir hat Bleib bei mir sehr gut gefallen, denn die Geschichte entblättert sich nach und nach immer mehr, und als Leser taucht man von Kapitel zu Kapitel tiefer in die Beziehungsthematik ein, die am Ende noch komplexer ist, als man sich im Verlauf vorstellen konnte.

Ayọ̀bámi Adébáyọ̀: Bleib bei mir. Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch. Piper, 2018, 352 Seiten; 22 Euro.

Dieser Post ist Teil des Afrika-Monatsthemas (Länder M bis Z) im Juni 2019 (Nigeria).

4 Gedanken zu „Bleib bei mir von Ayọ̀bámi Adébáyọ̀“

    1. Dieses Buch, liebe Moni, gefällt dir sicherlich sehr, sehr gut! Lies das! (Sorry, ich weiß, deine Wunschliste ist lang, und ich bin nicht wirklich hilfreich mit meinen Aussagen… :-))

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