Alles, was bleibt. Mein Leben mit dem Tod von Sue Black

„Todeserfahrungen verändern nicht nur die Einstellung zu den Dingen, sondern manchmal sogar ganze Lebenswege.“ (Seite 102f)

Sue Black ist weltweit eine der bedeutendsten forensischen Anthropologinnen. In Alles, was bleibt erzählt sie in einer Einführung von der Bedeutung des Todes in der heutigen Gesellschaft, von unserem Umgang mit dem Tod, jedoch auch von ihrem eigenem Leben und von ihrem Weg in die Anatomie und in die forensische Anthropologie.

In den nachfolgenden Kapiteln bietet Black tiefe Einblicke in ihr Fachgebiet, berichtet unter anderem von Verwesungsstadien, dem eigenen Umgang mit Sterben und Tod, Beerdigungsriten, Sterbehilfe, Kannibalismus, Möglichkeiten der Identifizierung von aufgefundenen Toten durch Geschlechts-/Alters-/Abstammungs- und Größenbestimmungen, Kosovokrieg und Massenkatastrophen.

Black beschreibt extrem detailreich, wie sie bei der Untersuchung von Leichen vorgeht, was sie beobachtet, wie sie ihre Beobachtungen deutet. Dadurch ist das Buch nichts für schwache Nerven und empfindliche Gemüter.

Das Buch ist jedoch viel mehr als ein Gruselschocker, der außer unappetitlichen Details nichts zu bieten hat, denn Black ist ein sehr informatives Buch gelungen, das nicht nur Erstaunliches über das Sterben, den Tod und den Verfall zu Tage bringt, dadurch fasziniert und durchweg viel Wissen vermittelt, sondern das mich aufgrund der Beschreibungen eigener Erfahrung mit Tod und Sterben im privaten Umfeld auch bewegt und berührt hat.

Für mich war forensische Anthropologie bisher ein Fach, das ich spannend und faszinierend fand, doch erst Blacks Buch hat mir auf überzeugende Weise nahebringen können, wie unglaublich komplex das Fachgebiet ist, auf wie viel Wissen man als Anthropologe zurückgreifen, wie viele Überlegungen man anstellen muss, wie viel Respekt Anthropologen letztendlich für ihre Arbeit gebührt.

Sue Black: Alles, was bleibt. Mein Leben mit dem Tod. DuMont Buchverlag, 2018, 413 Seiten; 24 Euro.

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