
„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ (Zitat von Friedrich Nietzsche. Seite 9)
Christopher Berry-Dee erzählt in seinem Buch von Psychopathie und aggressivem Narzissmus, berichtet zum Beispiel über Harold Shipman, Oscar Pistorius, Kenneth Allen MacDuff und Kenneth Alessio Bianchi.
Ich interessiere mich schon lange für Psychopathie und war sehr gespannt auf dieses Buch.
Gleich von Anfang an ist mir die reißerische Sprache negativ aufgefallen, weshalb ich das Buch eigentlich direkt auf den ersten Seiten abbrechen wollte. Berry-Dee erzählt hier von „Bestien“ (Seite 19) und „Monstern“ (Seite 20), befürwortet die Todesstrafe, vertritt also eine einfache Moral, in der es nur Schwarz oder Weiß gibt, wo man Komplexität durchweg vermisst.
Zudem empfand ich ihn als wenig respektvoll, und auch die Abwertung anderer Experten empfand ich als eher abstoßend.
Ich empfand den Autor zudem als sehr zynisch, zum Beispiel wenn er erklärt, dass das Heilmittel bei Psychopathie die Todesstrafe ist, wie er auf Seite 56 schreibt.
Immer wieder habe ich mir überlegt, das Buch abzubrechen, und habe mich beim Lesen sehr geärgert. Auf der Strecke bleiben hier auch Wissenschaftlichkeit und fundiertes Wissen – dabei sieht sich der Autor als vermeintlich klüger, erfahrener und bewanderter in diagnostischen und prognostischen Einschätzungen als studierte Experten.
Ich konnte diesem Buch wirklich nichts abgewinnen, und spätestens bei „Auftritt Seelenklempner“ (Seite 166) oder „DSM-111“, wie der Autor auf Seite 117 schreibt, wusste ich, dass es hier für mich nichts mehr zu holen gibt.
Christopher Berry-Dee: Wie Psychopathen denken. Eine schockierende Reise in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele. Riva, 2022, 288 Seiten; 22 Euro.