3/11. Tagebuch nach Fukushima von Yuko Ichimura und Tim Rittmann

„Fukushima könnte einer dieser Wendepunkte gewesen sein, von dem ausgehend sich eine Gesellschaft komplett verändert.“ (Seite 119)

Yuko lebt in Tokyo und spürt am 11.3.2011 die Erde so heftig wie nie zuvor beben.

Im Anschluss an das sogenannte Tōhoku-Erdbeben, das als das größte Erdbeben gilt, das jemals in Japan aufgezeichnet wurde, erreichte ein gewaltiger Tsunami unter anderem die Präfektur Fukushima, wodurch es im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi (Fukushima I) zu Kernschmelzen kam und große Mengen an radioaktivem Material freigesetzt wurden.

In 3/11. Tagebuch nach Fukushima erzählt Yuko Ichimura von ihren eigenen Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen am und nach dem 11. März 2011, berichtet unter anderem von der Schwere des Bebens, den vielen Nachbeben, der Angst und dem Stress, vom Aufräumen und Stromsparen, von Hamsterkäufen und Stromausfällen, vom Herunterspielen der Gefahren und der Unsicherheit, ob Lebensmittel sicher sind.

Die Autorin des Tagebuchs bietet durch die detailreichen Schilderungen und die düsteren, bisweilen verwischt und unscharf wirkenden Zeichnungen genaue Einblicke in den Ablauf der sogenannten Dreifachkatastrophe (Erdbeben, Tsunami, Nuklearkatastrophe von Fukushima). Sie bildet dabei sehr gut den zeitlichen Verlauf von Angst und Sorge wegen des Bebens selbst, der Nachbeben, der freigesetzten Radioaktivität und der weiteren Folgen für Japan und die Welt ab. Durch die Tagebuchaufzeichnungen ist man als Leser beinahe live dabei, nimmt teil an den Gedanken und Gefühlen der Tagebuchschreiberin und den Veränderungen in ihrem Alltagsleben.

Beim Lesen habe ich immer wieder Parallelen zur gegenwärtigen Corona-Krise bemerkt, was ebenso spannend wie ernüchternd war, da die Nuklearkatastrophe von Fukushima nicht die erhofften (positiven) Auswirkungen auf die Kernenergienutzung und die Gesellschaft hatte, und ich fürchte, das wird bei Corona nicht anders sein.

„Was auch immer Euch den Boden unter den Füßen wegzieht, habt keine Angst, die Dinge werden wieder normal, so oder so.“ (Seite 166)

Yuko Ichimura und Tim Rittmann: 3/11. Tagebuch nach Fukushima. Carlsen Verlag, 2012, 169 Seiten; 12,90 Euro.

Dieser Post ist Teil meines Radioaktivität-Monatsthemas im Mai 2020.

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