Mut zum Protest. Erfahrungen von DDR-Zeitzeugen von Aleksandra Majzlic

„Die Schicksale meiner Interviewpartner machen die Dimension der SED-Diktatur begreifbar. In den geheimsten Ecken der Gesellschaft nisteten sich die Schergen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) ein.“ (Seite 20)

Aleksandra Majzlic hat Zeitzeugen interviewt, die sich bereits vor dem Mauerfall gegen die Politik der DDR und die Machenschaften der ostdeutschen Regierung gestellt haben. In Mut zum Protest porträtiert sie 14 Personen, die auf unterschiedliche Weise rebelliert und sich zur Wehr gesetzt haben.

Majzlic erzählt z.B. von Katrin Behr, die selbst in der DDR zwangsadoptiert wurde und heute Menschen mit ähnlichen Erfahrungen hilft, von Gilbert Furian, der in der DDR inhaftiert war und nach dem Fall der Mauer seinen Vernehmer von einst wiedergetroffen hat, von Corinna Thalheim, die als 17-Jährige in einer Jugenderziehungseinrichtung sexuell missbraucht wurde und heute über sexuelle Gewalt aufklärt, und Günter Wetzel, der mit einem Heißluftballon aus der DDR geflohen ist.

Einige der im Buch erzählten Geschichten haben mich sehr berührt, erzählen von unglaublich emotionalen Momenten und aufwühlenden Schicksalen, zeigen die unterschiedlichen Aspekte des Lebens in der DDR bzw. in einer Diktatur im Allgemeinen. Die einzelnen Porträts sind dabei sehr heterogen, der gemeinsame Nenner ist die Unzufriedenheit mit dem Leben in Unfreiheit, dem Leiden unter dem Regime, dem Nicht-akzeptieren-Wollen/Können der Beschränkungen im täglichen Leben.

Ein paar der Geschichten im Buch kannte ich bereits, z.B. die des Liedermachers Wolf Biermann sowie Erfahrungen, von denen ich bei einer Führung durch das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen gehört habe.

Alles in allem bietet das Buch von Majzlic tiefe Einblicke ins Leben in der DDR, die zudem überzeugend zusammengefasst und verständlich geschrieben wurden.

„Wir bestrafen die Täter, indem wir das Schweigen brechen.“ (Seite 53)

Aleksandra Majzlic: Mut zum Protest. Erfahrungen von DDR-Zeitzeugen. zu Klampen Verlag, 2019, 166 Seiten; 16 Euro.

Dieser Post ist Teil des DDR-Monatsthemas im November 2019.

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