Letzter Mann im Turm von Aravind Adiga

Die Bewohner des einst anständigen, mittlerweile schäbigen Vishram Society Turms A bekommen ein sagenhaftes Angebot: Der Bauherr Dharmen Shah möchte den gesamten Gebäudekomplex abreißen und bietet den Eigentümern der einzelnen Wohnungen eine Summe, die weit über dem eigentlichen Marktwert liegt. Es gibt allerdings einen Haken, denn da es sich um eine Wohnungsgenossenschaft handelt, darf keiner der Bewohner das Angebot ablehnen – sonst bekommt keiner etwas. Einige Personen weigern sich jedoch, ihr Zuhause der letzten Jahrzehnte zu verlassen und sind nicht an den finanziell großzügigen Offerten Shahs interessiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis aus Freunden Feinde werden.

Letzter Mann im Turm liest sich sehr flüssig und schnell, die Protagonisten sind lebensnah und glaubwürdig gezeichnet, die Geschichte fesselt von Anfang an. Aravind Adiga gelingt es, anhand des  Vishram Society Turms A ein Abbild der (indischen) Gesellschaft zu entwerfen, die Sorgen, Nöte und Hoffnungen der Mittelschicht aufzuzeigen und den moralischen Verfall einer Wohngemeinschaft darzulegen. Dabei erzählt er seine gesellschaftskritische und spannende Geschichte von Hass, Verachtung, Gier und der Macht des Geldes mit viel Sprachwitz und sehr überzeugend.

Ein großartiger Roman, der meiner Meinung nach oft an Der Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt erinnert. Sehr empfehlenswert!

Aravind Adiga: Letzter Mann im Turm. Aus dem Englischen von Susann Urban und Ilija Trojanow. C. H. Beck, 2011, 515 Seiten; 19,95 Euro.

Diese Rezension ist Teil des Indien-Themas im Januar 2017.

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