Irren ist menschlich. Kapitel 5: Der sich und Anderen fremd werdende Mensch (Schizophrenie) von Uwe Gonther

„Menschen mit schweren psychischen Krankheiten haben eine deutlich verringerte Lebenserwartung, statistisch weniger Aussicht auf Partnerschaft und Nachwuchs. Sie weisen ein höheres Risiko für Arbeits- und Wohnungslosigkeit, Armut, Sucht, körperliche Krankheiten und Suizid auf. Es geht also nicht nur um eine abstrakte Stigmatisierung der Schizophrenie in den Medien, es geht um reale Nachteile, die sich auf das Ansehen und die Lebensqualität der Erkrankten negativ auswirken.“ (Seite 247)

Uwe Gonther behandelt im fünften Kapitel des Lehrbuchs Irren ist menschlich verschiedene Facetten der Schizophrenie: Begriffsklärung, Praecox-Gefühl, Tabuisierung, Stigmatisierung, Vulnerabilitäts-Stress-Modell, Symptome, Verlauf, Behandlung, Epidemiologie, Entstehung und Prävention.

Ich habe mich schon sehr intensiv mit der Schizophrenie beschäftigt, und für die Lektüre dieses Buches empfand ich dies als sehr nützlich und sinnvoll bzw. sogar als Voraussetzung, denn Gonthers Buchkapitel ist meiner Meinung nach weniger gut für Einsteiger ins Thema geeignet.

Gonther schreibt auf recht komplexe Weise und sehr detailliert von einzelnen Aspekten der Schizophrenie, vermittelt so Wissen, das man nicht schon x-mal in anderen Büchern gelesen hat, schafft es in meinen Augen aber nicht, einem Laien die Schizophrenie nahe zu bringen, weil seine Ausführungen zu stark auf Vorwissen aufbauen. Bereits aus sprachlicher Sicht ist das Buch keine Lektüre für nebenbei, denn es ist etwas umständlich geschrieben, so wie es für deutsche Lehrbücher recht typisch ist.

Dabei ist das Buch durchaus gut zusammengefasst und sehr informativ, geht sehr in die Tiefe, was das Verstehen-Wollen und Verstehen-Können, das Erklären und Interpretieren von Symptomen etc. angeht. Zudem bietet das Buch gute Impulse für die wissenschaftliche und klinische Arbeit im Bereich der Schizophrenie, und ich habe mir viele Sätze Gonthers markiert, weil ich sie treffend und hilfreich fand.

Bei dem Buch handelt es sich um einen Auszug aus dem folgenden Titel:
Klaus Dörner, Ursula Plog, Thomas Bock, Peter Brieger, Andreas Heinz und Frank Wendt: Irren ist menschlich. Lehrbuch der Psychiatrie und Psychotherapie. Psychiatrie Verlag, 2016, 992 Seiten; 40 Euro.

Uwe Gonther: Irren ist menschlich. Kapitel 5: Der sich und Anderen fremd werdende Mensch (Schizophrenie). Psychiatrie Verlag, 2019, 75 Seiten; 10 Euro.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.