Geteiltes Haus von Alice Horáčková

„Wenn wir doch irgendwann wieder nach Hause könnten, nur dafür leben wir noch.“ (Seite 9)

Alice Horáčková erzählt in ‚Geteiltes Haus‘ von der Geschichte des Sudetenlandes – von der Zeit der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn bis zum Jahre 1948.

Sie geht dabei näher auf die k.u.k.-Monarchie ein und berichtet vom Ersten und Zweiten Weltkrieg, von der Ersten Tschechoslowakischen Republik, der Zweiten und Dritten Republik sowie von der Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg ein.

Im Zentrum des Romans steht Zdenka Honců, deren Mutter bei der Geburt stirbt und die in Benetzko im Riesengebirge bei ihrem Vater aufwächst. Sie ist die beste Freundin von Anežka, die auch in Benetzko lebt.

Die Freundschaft der beiden überdauert Krisen, Kriege und Systemwechsel sowie Vertreibung. Und auch die Tatsache, dass Anežka den Mann heiratet, in den Zdenka verliebt ist, kann der Freundschaft langfristig nichts anhaben.

Ich habe bisher nur verhältnismäßig Literatur aus Tschechien gelesen und mich kaum mit dem Sudetenland befasst. Mit diesem Roman wurde es mir ermöglicht, Menschen über Jahrzehnte zu begleiten und so die Geschichte der beiden weiblichen Hauptfiguren und ihren Familien, der restlichen Dorfbewohner, aber eben auch die Geschichte des Sudetenlandes zu verfolgen.

Hier erfährt man, was in unterschiedlichen historischen Epochen das Leben der Menschen geprägt hat, was ich extrem spannend fand.

Schon zu Beginn der Lektüre wusste ich, dass ich es hier mit einer ganz besonderen Geschichte zu tun habe, die lebendig und stimmungsvoll erzählt wird, die es ermöglicht, dass man mit vor Ort ist und dass man richtig in eine andere Welt eintauchen kann. Dieser Roman sticht damit deutlich heraus aus den Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe, und zählt zu meinen Lieblingsbüchern dieses Jahres.

Alice Horáčková: Geteiltes Haus. Aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff. Diogenes, 2026, 880 Seiten; 28 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!