Drecksarbeit. Geschichten aus dem Maschinenraum unseres bequemen Lebens von Jan Stremmel

„In dieser Welt der Sub-Sub-Subunternehmer, der Kleinlieferanten und Hinterhof-Fabriken, ist Arbeits- oder Umweltschutz immer noch kein Thema. Und genau hier wollten wir hin: in den toten Winkel der Globalisierung.“ (Seite 10)

Jan Stremmel arbeitet Seite an Seite mit Einheimischen und macht dabei echte Drecksarbeit. Er ist dort tätig, wo wir Mitteleuropäer lieber nicht hinsehen, wo wir lieber konsumieren, ohne zu wissen, wie unsere Produkte hergestellt und verarbeitet werden.

Stremmel gewährt dem Leser Einblicke in eine indische Färberei, in Sandraub auf den Kapverden, in Regenwaldabholzung in Paraguay, in eine Rosenfarm in Kenia, in Baumwollproduktion am Aralsee, in Gewächshäuser in Andalusien, in Kaffeeplantagen in Kolumbien etc.

Stremmel steigt direkt in sein Buch ein, und als Leser betritt man gleich auf der ersten Seite eine indische Färberei mit all ihren Chemikalien, Farben, Gerüchen und Gefahren.

Ich würde behaupten, die meisten Menschen haben eine (vage) Vorstellung, wie die Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt aussehen, aber dies hautnah durch Stremmels (allzu) lebendige Schilderungen schwarz auf weiß zu lesen, hat mich schockiert und oft auch fassungslos gemacht. Was läuft hier schief, dass wir uns unserem beispiellosen Konsum hingeben, während am anderen Ende der Welt die Umwelt und die Gesundheit der Menschen für unsere Maßlosigkeit zerstört werden? Dies alles in den von Stremmel geschilderten Details zu lesen, hat mich unendlich traurig gemacht, aber auch ernsthaft beschämt.

Stremmel bietet rare Einblicke und öffnet dem Leser die Augen, wie die Dritte Welt auch und gerade im 21. Jahrhundert ausgebeutet wird, damit wir in den reichen Industrienationen keine unserer Gewohnheiten aufgeben oder wenigstens einschränken müssen.

Jan Stremmel: Drecksarbeit. Geschichten aus dem Maschinenraum unseres bequemen Lebens. Knesebeck Verlag, 2021, 192 Seiten; 22 Euro.

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