Die niedrigen Himmel von Anthony Marra

„weil das Gute in mir dort gestorben ist, und all das, alles seitdem war ein Leben nach dem Tod, dem ich entfliehen wollte“

Tschetschenien im Jahre 2004: Hawahs Vater Dokka wird in der Nacht von Föderalen abgeholt, ihr Haus wird niedergebrannt, doch der 8-jährigen Hawah gelingt die Flucht. Achmad, ein Nachbar und Freund, bringt Hawah in eine nahegelegene Stadt und bittet die Ärztin Sonja um Hilfe, bis er für Hawah ein neues Zuhause gefunden hat.

Nach und nach erzählt Anthony Marra vom Leben seiner Protagonisten über 10 Jahre hinweg sowie die Geschichte des kriegsgebeutelten Tschetschenien und entwirft so ein umfassendes Bild vom Leben in Kriegszeiten.

Ich bin beeindruckt von Marras Roman, der in anspruchsvoller Sprache geschrieben wurde, der sehr detailreich ist, bei dem meiner Meinung nach jedoch nichts zu viel, nichts überflüssig, nichts zu ausufernd ist.

Inhaltlich ist das Buch häufig brutal und bedrückend, doch die Geschichte wurde oft mit viel Humor erzählt und hat mich stellenweise sogar zum Lachen gebracht.

Die Protagonisten wurden hervorragend charakterisiert, jede einzelne Figur ist authentisch und komplex. Dies ermöglicht dem Leser, sich die Gegebenheiten sehr genau (manchmal, wenn es inhaltlich sehr brutal wird, zu genau) vorzustellen.

Die Zeitsprünge haben mir sehr gut gefallen, sind durch den Zeitstrahl zu Beginn eines neuen Kapitels einfach einzuordnen und nachvollziehbar. Durch diese Zeitsprünge wird nicht nur extreme Spannung aufgebaut, sondern nach und nach erhält der Leser immer neue Puzzleteile, die sich schließlich zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen.

Auch die Übersetzung ist großartig und nie holprig oder unpassend.

Was für ein Roman! Ich bin beeindruckt und freue mich auf das nächste Buch des Autors.

Anthony Marra: Die niedrigen Himmel.  Aus dem amerikanischen Englisch von Ulrich Blumenbach und Stefanie Jacobs. Suhrkamp, 2015, 487 Seiten; 11 Euro.

Dieser Post ist Teil des Kaukasus-Themas im Oktober 2018.

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