Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer von Alex Capus

„[…] weil jede vernünftige Reise in möglichst gerader Linie vom Ausgangspunkt zum Ziel führt und zwei Geraden sich nach den Gesetzen der Geometrie nicht zweimal kreuzen.“

Die 13-jährige Laura d’Oriano befindet sich im Orient-Express auf der Strecke Konstantinopel – Paris. Ihre Familie hat das Nomadenleben aufgegeben und möchte nun sesshaft werden. Laura hat einen Traum, den sie unbedingt verwirklichen möchte: Sie will Sängerin werden.

Ein junger Mann sitzt am Züricher Bahnhof, er weiß nicht, was die Zukunft bringt, hat seinen Weg noch nicht gefunden. Im späteren Leben wird er, Felix Bloch, Atomphysik bei Heisenberg studieren und Oppenheimer beim Bau der Atombombe helfen.

Ein Schnellzug nach Genf: Der Kunstmaler Emile Gilliéron trägt die Asche seines kürzlich verstorbenen Vaters an den Genfersee, die alte Heimat der Familie. Emile wird später als einer der größten Fälscher in die Geschichte eingehen.

Die Wege der drei Personen kreuzen sich im Züricher Bahnhof im November des Jahres 1924, ohne dass sie die Existenz des anderen erahnen bzw. miteinander in Kontakt treten. Werden sich ihre Wege wieder kreuzen?

Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer war nach Eine Frage der Zeit mein zweites Buch von Alex Capus.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, denn er verbindet viele Themen, die mich interessieren: Orient-Express, Nationalsozialismus, Südfrankreich, Physik, Wissenschaft. Zudem ist das Buch sprachlich anspruchsvoll, aber dennoch flüssig lesbar und durchweg spannend.

Sehr gelungen fand ich die Beschreibung der Handlungsorte und der drei Hauptprotagonisten. Egal, ob sich die Figuren in Marseille, in Leipzig oder in den USA befanden, stets sind die Beschreibungen atmosphärisch und lebendig, und stets hat man das Gefühl, dass alles in diesem Roman stimmig ist, dass die Charaktere sehr gut ausgearbeitet wurden und in sich konsistent sind.

Neben der spannenden Beschreibung des Lebens von Emile, Laura und Felix hat mir außerdem gefallen, dass ich durch diesen Roman viel gelernt habe, dass er nicht nur hervorragend unterhält, sondern auch Wissen vermittelt (zugegebenermaßen sehr auf Physik und Kunst/Archäologie fokussiertes Wissen, was sicherlich den ein oder anderen Leser nicht interessieren wird, für mich aber perfekt gepasst hat).

Alex Capus: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer. dtv, 2015, 288 Seiten; 10,90 Euro.

Dieser Post ist Teil meines Radioaktivität-Monatsthemas im Mai 2020.

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