Dem Leben einen Dreh geben. Selbstmitgefühl bei psychischen Erkrankungen von Mirjam Tanner

„ich habe dieses Buch gerade auch für Menschen geschrieben, die bisher bei nichts und niemandem Hilfe finden konnten“ (Seite 19)

Mirjam Tanner erzählt in Dem Leben einen Dreh geben von Scham, Selbstablehnung und Selbstabwertung, Vermeidung und Verdrängung, Achtsamkeit, Mut, Erkennen von Gefühlen, Selbstfürsorge, CFT-Modell der Emotionsregulation (mit dem Anreiz- und Antriebssystem, dem Beruhigungs- und Fürsorgesystem und dem Alarm- und Schutzsystem) sowie von den fünf Stufen der Emotionsregulation nach Irons.

Dreh- und Angelpunkt ist die Compassion Focused Therapy (CFT), und die Autorin bietet neben sehr viel Faktenwissen auch viele praktische Tipps, konkrete Interventionen, verschiedene Tests und Übungen sowie Fallbeispiele.

Ich habe mich bisher noch gar nicht mit CFT beschäftigt und fand immer, dass „Selbstfürsorge“ und „Selbstmitgefühl“ schnell nach Esoterik klingen. Tanners Buch hat mir gezeigt, dass ich dabei auf dem Holzweg war und dass CFT ebenso wichtig wie sinnvoll ist und man dafür keine Esoterik braucht.

Ich empfand das Buch als extrem hilfreich für eine erste Begegnung mit der Thematik. Tanner schreibt ebenso wertschätzend und fundiert wie verständlich und anschaulich, so dass man bei der Lektüre viel Neues kennenlernt und komplexe Sachverhalte auch für Laien gut nachvollziehbar sind.

Spätestens ab dem Emotionskapitel hat mich Dem Leben einen Dreh geben richtig gepackt und begeistert, so dass ich es sowohl professionell Tätigen für einen ersten Einblick ins Thema, vor allem aber Betroffenen für die Möglichkeit konkreter (Selbst-) Hilfe ans Herz legen möchte.

Mirjam Tanner: Dem Leben einen Dreh geben. Selbstmitgefühl bei psychischen Erkrankungen. BALANCE buch + medien verlag, 2020, 192 Seiten; 18 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!