Archiv der Kategorie: Indien

Das Kaleidoskop des Lebens von Rohinton Mistry

Rohinton Mistry erzählt in Das Kaleidoskop des Lebens von Menschen und Schicksalen in einem Mietshaus in Bombay. Da gibt es beispielsweise den Anwalt Rustomji, der in einer Wohnung lebt, die dringend saniert werden müsste, der sich jedoch weigert, etwas dafür zu bezahlen, und stattdessen Briefe an die Hausverwaltung schreibt. Zudem lebt dort die aus Goa stammende Jacqueline, die von jedem Jaakeylee genannt wird, seit 49 Jahren als Ayah in Bombay arbeitet und an Geister glaubt. Auch Francis wohnt im Mietshaus; er schlägt sich als Bote durchs Leben, seit er seine Arbeit im Möbelgeschäft verloren hat. Und da gibt es den Briefmarkensammler Dr. Burjor Mody, der von seinem nichtsnutzigen Sohn enttäuscht ist und deshalb den stillen und in sich gekehrten Jehangir in die Kunst der Philatelie einweiht. Das Kaleidoskop des Lebens von Rohinton Mistry weiterlesen

Bombay – Maximum City von Suketu Mehta

Suketu Mehta hat eine umfassende Reportage über die indische Metropole Bombay/Mumbai verfasst. Anhand verschiedener Protagonisten, die stellvertretend für einen bedeutenden Aspekt der Stadt stehen, hat er die Probleme und die Besonderheiten Mumbais detailliert und realistisch geschildert. Erzählt wird beispielsweise die Geschichte von Monalisa – und mit ihr die Geschichte der Prostitution, der Tänzerinnen, der Bars. Mehta berichtet von dem Polizisten Ajay Lal – und mit ihm von Folter, von Korruption, von Kriminalität, von Gewalt. Und durch Sevantibhai lernt der Leser den Jainismus und dessen Maxime der Askese und Entsagung kennen. Bombay – Maximum City von Suketu Mehta weiterlesen

Vishnus Tod von Manil Suri

„Bin Vishnu in der Himmelswelt,
Im Sternenheer der Sonne Pracht.
Mit einem Bruchteil meines Seins
Durchdringe ich die ganze Welt.“
(Aus Krishnas Gespräch mit Arjuna,
Bhagavadgita, Zehnter Gesang)

Vishnu ist „der Erhalter“ der Welt in der göttlichen Dreigestalt des Hinduismus, während Brahma „der Schöpfer“ und Shiva „der Zerstörer“ ist. Er ist ein Gott der Güte und der Wahrheit und tritt der Legende nach in zehn Avatars auf, u.a. als Krishna und als Buddha. Die zehnte und letzte Inkarnation Vishnus steht noch aus. Es ist die des Kalki, der am Ende von Kaliyuga auf einem weißen Pferd erscheint, die Bösen bestraft, die Guten belohnt und die Welt zerstört.

Manil Suri erzählt von einem Wohnhaus in Bombay, in dem auf dem Treppenabsatz Vishnu lebt. Er ist schon seit längerer Zeit dort zu Hause, hat jahrelang kleinere Dienste für die Hausbewohner erledigt und liegt nun im Sterben. Während die Asranis und die Pathaks miteinander streiten, wer den Krankenwagen bezahlt und wer sich bisher besser um Vishnu gekümmert hat, erinnert sich Vishnu an sein Leben, an seine Liebe zu Padmini und an seine Mutter, die ihm vom Gott Vishnu erzählt hat. Vishnus Tod von Manil Suri weiterlesen

Der Namensvetter von Jhumpa Lahiri

„Er weiß nicht viel über russische Schriftsteller, aber es ärgert ihn, dass seine Eltern ihn zum Namensvetter desjenigen mit dem dämlichsten Namen gemacht haben.“

1968 wird das erste Kind der indischen Einwanderer Ashima und Ashoke Ganguli geboren. Um das Krankenhaus verlassen und mit dem Kind nach Hause gehen zu dürfen, müssen die Eltern einen Namen angeben. Leider ist der Brief der Großmutter, die das Recht hat, den Namen zu bestimmen, noch nicht angekommen. Da der Vater Ashoke eine besondere Beziehung zu Nikolai Gogol hat, bekommt der neugeborene Sohn kurzerhand den Kosenamen Gogol. Der Namensvetter von Jhumpa Lahiri weiterlesen

Letzter Mann im Turm von Aravind Adiga

Die Bewohner des einst anständigen, mittlerweile schäbigen Vishram Society Turms A bekommen ein sagenhaftes Angebot: Der Bauherr Dharmen Shah möchte den gesamten Gebäudekomplex abreißen und bietet den Eigentümern der einzelnen Wohnungen eine Summe, die weit über dem eigentlichen Marktwert liegt. Es gibt allerdings einen Haken, denn da es sich um eine Wohnungsgenossenschaft handelt, darf keiner der Bewohner das Angebot ablehnen – sonst bekommt keiner etwas. Einige Personen weigern sich jedoch, ihr Zuhause der letzten Jahrzehnte zu verlassen und sind nicht an den finanziell großzügigen Offerten Shahs interessiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis aus Freunden Feinde werden. Letzter Mann im Turm von Aravind Adiga weiterlesen

Indien – Ein Fest für die Sinne von Rayman Gill-Rai

„Die Aufnahmen sind für die Ewigkeit eingefangene Momente einer Geschichte über exotische Düfte, Farben und Aromen.“

Die Fotografien im Buch stammen von jungen Fotokünstlern, die an einem Wettbewerb teilgenommen hatten. Die besten der eingesandten Bilder wurden schließlich für Indien – Ein Fest für die Sinne ausgewählt.

Das Buch ist in fünf Kapitel unterteilt, die die fünf Sinne – Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen – behandeln. Zu jedem Kapitel gibt es einen längeren Einführungstext, in dem der Leser mehr über die Geschichte Indiens, das Kastenwesen, Kultur und Traditionen, Religion und Alltag erfahren kann. Indien – Ein Fest für die Sinne von Rayman Gill-Rai weiterlesen

Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz von Mira Jacob

„Der klassische Konflikt zwischen Auswanderern und Daheimgebliebenen.“

Amina arbeitet als Hochzeitsfotografin in Seattle, doch nach einem Anruf ihrer Mutter Kamala sagt sie ihre Termine ab und reist kurzfristig nach New Mexico, wo ihre Eltern leben und wo sie nach dem Rechten sehen möchte.

Kamala macht sich Sorgen um ihren Mann Thomas, doch Aminas Vater wirkt gesund und zufrieden. Unter dieser vermeintlich unauffälligen Oberfläche liegt jedoch etwas im Argen, denn Thomas halluziniert, spricht mit seiner Mutter Ammachy, die seit 20 Jahren tot ist. Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz von Mira Jacob weiterlesen

Das Tiefland von Jhumpa Lahiri

Das Tiefland von Jhumpa Lahiri

„Früher gab es innerhalb der Enklave zwei Teiche, länglich, nebeneinander liegend. Dahinter erstreckte sich ein Tiefland von mehreren Hektar Ausmaß.“

Die Brüder Subhash und Udayan wachsen in Tollygunge auf, einem Vorort von Kalkutta, und entdecken gemeinsam das Leben und ihre unmittelbare Umgebung. Sie erkunden das zu Monsunzeiten überschwemmte Tiefland, sie brechen nachts in den Tolly Club ein, um eine Partie Golf zu spielen, und sie beschäftigen sich mit wissenschaftlichen und technischen Themen. Die beiden sind sich äußerlich sehr ähnlich, doch unterscheiden sich bezüglich ihres Charakters deutlich: der ältere Subhash ist vernünftig und eher unauffällig, der 15 Monate jüngere Udayan ist wild und rebellisch. Das Tiefland von Jhumpa Lahiri weiterlesen

Indien-Thema im Januar 2017

Foto von M M (Quelle: Flickr)

Als Einstiegsthema habe ich mich für „Indien“ entschieden. Dafür gibt es viele Gründe. Zum einen stammt der Name meines Blogs von einem Zitat von Jhumpa Lahiri, einer US-amerikanischen Autorin indischer Abstammung, die ich sehr schätze:

“That’s the thing about books. They let you travel without moving your feet.” (Jhumpa Lahiri, The Namesake) Indien-Thema im Januar 2017 weiterlesen