Das Kaleidoskop des Lebens von Rohinton Mistry

Rohinton Mistry erzählt in Das Kaleidoskop des Lebens von Menschen und Schicksalen in einem Mietshaus in Bombay. Da gibt es beispielsweise den Anwalt Rustomji, der in einer Wohnung lebt, die dringend saniert werden müsste, der sich jedoch weigert, etwas dafür zu bezahlen, und stattdessen Briefe an die Hausverwaltung schreibt. Zudem lebt dort die aus Goa stammende Jacqueline, die von jedem Jaakeylee genannt wird, seit 49 Jahren als Ayah in Bombay arbeitet und an Geister glaubt. Auch Francis wohnt im Mietshaus; er schlägt sich als Bote durchs Leben, seit er seine Arbeit im Möbelgeschäft verloren hat. Und da gibt es den Briefmarkensammler Dr. Burjor Mody, der von seinem nichtsnutzigen Sohn enttäuscht ist und deshalb den stillen und in sich gekehrten Jehangir in die Kunst der Philatelie einweiht.

Der Autor bietet dem Leser „ein Kaleidoskop des Lebens“ in Indien – ohne kunterbunte und heile Bollywood-Welt. Er erzählt von Elend und Schmutz, von Gestank und Enttäuschung. Die Schilderungen sind bisweilen unappetitlich, doch wirken sie stets authentisch. Der Leser begibt sich auf eine Reise in ein Indien der Bettler, der Ratten und Kakerlaken, der Paan-Kauer, der überfließenden Gullys, des Kastensystems. Und doch gibt es Lichtblicke – das Zusammengehörigkeitsgefühl in Familien, die unvergleichliche Nachbarschaftshilfe, die Unterstützung und Liebe, die die Protagonisten trotz der häufig nicht einfachen Lebensumstände erfahren.

Das Kaleidoskop des Lebens ist ein spannendes Buch über ein Indien fernab touristischer Pfade und ein lebendiges Zeugnis eines Landes der großen Gegensätze.

Rohinton Mistry: Das Kaleidoskop des Lebens. Aus dem Englischen von Matthias Müller. FISCHER Taschenbuch, 2002, 288 Seiten; 9,95 Euro.

Diese Rezension ist Teil des Indien-Themas im Januar 2017.

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