Der Namensvetter von Jhumpa Lahiri

„Er weiß nicht viel über russische Schriftsteller, aber es ärgert ihn, dass seine Eltern ihn zum Namensvetter desjenigen mit dem dämlichsten Namen gemacht haben.“

1968 wird das erste Kind der indischen Einwanderer Ashima und Ashoke Ganguli geboren. Um das Krankenhaus verlassen und mit dem Kind nach Hause gehen zu dürfen, müssen die Eltern einen Namen angeben. Leider ist der Brief der Großmutter, die das Recht hat, den Namen zu bestimmen, noch nicht angekommen. Da der Vater Ashoke eine besondere Beziehung zu Nikolai Gogol hat, bekommt der neugeborene Sohn kurzerhand den Kosenamen Gogol.

Gogol ist zerrissen zwischen der indischen und der US-amerikanischen Kultur, er lebt zwischen zwei Welten – und schließlich auch zwischen zwei Namen, denn eines Tages entschließt er sich, seinen Namen offiziell von Gogol in Nikhil zu ändern.

Ich habe bereits drei Erzählbände von Jhumpa Lahiri mit großer Begeisterung gelesen, und auch Der Namensvetter hat mir sehr gut gefallen. Wie immer in ihren Büchern geht es um die Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen, doch hier spielt außerdem die mit seinem Namen verbundene Identität von Gogol / Nikhil eine sehr wichtige Rolle. Diese Zerrissenheit wurde sehr gut dargestellt, und die Beschreibungen von Gogols Gedanken und Gefühlen sind hervorragend gelungen.

Lahiris Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und fesselnd, ihre Beobachtungsgabe außergewöhnlich. Die Protagonisten wurden so überzeugend und lebensnah charakterisiert, dass sie einem richtig ans Herz wachsen, man mit ihnen leiden und sich mit ihnen freuen kann. Ich hatte beim Lesen beinahe das Gefühl, dass ich die Figuren aus dem wirklichen Leben kenne.

Lahiris erster Roman hat mich nicht enttäuscht. Sehr empfehlenswert!

Jhumpa Lahiri: Der Namensvetter. Aus dem Amerikanischen von Barbara Heller. btb, 2007, 352 Seiten; vergriffen.

Diese Rezension ist Teil des Indien-Themas im Januar 2017.

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