Blue Skies von T.C. Boyle

„Das Anthropozän lag in den letzten Zügen, und die Welt war wie etwas in einem Ofen, den man vergessen hatte auszuschalten.“ (Seite 202)

Cat und ihr Verlobter Todd leben in einem Strandhaus in Florida, wo sich Cat die Tage mit Social Media vertreibt und einen Python kauft. Cats Bruder Cooper lebt in Kalifornien, arbeitet als Biologe an seiner Doktorarbeit, ist mit der Zeckenforscherin Mari liiert, wird eines Tages von einer Zecke gebissen und bekommt nach einer Infektion seinen Unterarm amputiert. Die Mutter von Cat und Cooper versucht sich derweil an der Insektenaufzucht und dem Kochen und Backen mit Grillen.

Geprägt wird das Leben der Familie von Extremwetter, Artensterben, Antibiotikaresistenzen, Infektionskrankheiten und weiteren Folgen des Anthropozäns.

Ich mag T.C. Boyles Bücher sehr gerne, habe schon unzählige Romane und Kurzgeschichten von ihm gelesen und zähle ihn zu meinen Lieblingsautoren, seit ich vor 26 Jahren Wassermusik gelesen habe.

Auch Blue Skies, Boyles 19. Roman, hat mir sehr gut gefallen, und schon mit der Einstiegsszene mit dem Python hat Boyle (wieder einmal) direkt mein Herz erobert und mich fast ohne Unterlass weiterlesen lassen.

Als ich Blue Skies gelesen habe, wütete gerade der Hurrikan ‚Idalia‘ über Florida und verwüstete Teile des Bundesstaates. Dieses Szenario von Überschwemmungen, Stürmen, Zerstörung von Häusern etc. passiert in Blue Skies nahezu durchgehend in Florida, während das Leben in Kalifornien von Dürren, Wassermangel, Hitzerekorden geprägt ist.

Boyle beschreibt in Blue Skies eine dystopische Welt mit Stürmen und Fluten, Hitzewellen und Waldbränden – eine Welt, in der wir uns heute bereits befinden, vor der viele aber noch die Augen verschließen und die in Boyles Roman deutlich dramatischer ist als unsere Gegenwart. Boyle zeigt eindrucksvoll und eindrücklich, worauf wir hinsteuern, was auf uns und zukünftige Generationen noch zukommen wird, wenn wir nicht endlich die Reißleine ziehen. Boyles Schilderungen wirken dabei ebenso realistisch (und auch teilweise recht vertraut) wie gespenstisch und bedrohlich.

Einige Entwicklungen im Buch fand ich ein wenig vorhersehbar, z.B. was den Python angeht, aber das kann auch daran liegen, dass ich mich schon ein wenig mit Pythons in Florida und den Auswirkungen befasst habe.

Alles in allem ist auch der 19. Boyle-Roman wieder grandios und ein großer Wurf.

T.C. Boyle: Blue Skies. Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Carl Hanser Verlag, 2023, 400 Seiten; 28 Euro.

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