
„Ich kann meinen Kurt nicht ohne seinen Kurt haben, er gehört dazu. Schon immer. Ich glaube, ich will meinen auch nicht ohne seinen, aber richtig aussuchen konnte ich es mir nicht.“ (Seite 51)
Lena befindet sich in einer Beziehung mit Kurt – dem großen Kurt, denn dieser hat einen 6-jährigen Sohn, der auch Kurt heißt, also ‚der kleine Kurt‘.
Lena fühlt sich bisweilen etwas fremd in dieser Familie, zu der sie eigentlich nicht so richtig gehört, doch sie ist glücklich mit dem großen Kurt und hat eine gute Beziehung zum kleinen Kurt.
Der große Kurt und Lena haben zusammen ein Haus in Brandenburg gekauft, das sie nun renovieren und nach ihren Wünschen ausbauen.
Dann stirbt der kleine Kurt plötzlich, und nichts ist mehr so wie vorher.
„Wenn man die ganze Zeit in Erwartung auf etwas Furchtbares verbringt, ist man beinahe beruhigt, wenn es dann tatsächlich eintritt. Die Angst ist immer schlimmer.“ (Seite 59)
Kurt liest sich extrem gut an, ist aus dem Leben gegriffen, und die überzeugenden Figuren haben mich ebenso begeistert wie die anspruchsvolle und kreative Sprache von Sarah Kuttner.
Mich hat dieses Buch sehr berührt, und es trifft meiner Meinung nach voll ins Schwarze: Es zeigt ebenso einfühlsam wie gnadenlos, wie man nach einem Verlust einer geliebten Person denkt, fühlt und handelt. Es beschreibt überzeugend die Zäsur, die das Leben nach einer solchen Erfahrung in ein Davor und ein Danach einteilt.
Mich hat Kuttner mit diesem Roman wirklich beeindruckt und neugierig gemacht auf andere Bücher von ihr, allen voran ‚Mängelexemplar‘, das ich gerne zeitnah lesen möchte.
„Man sollte meinen, dass es beruhigt, wenn keiner Schuld hat. Es bedeutet, dass man es nicht hätte verhindern können. Dass auch man selbst frei von Schuld ist. Auf der anderen Seite macht das den Tod aber noch sinnloser, unerklärlicher, als er eh schon ist.“ (Seite 94)
Sarah Kuttner: Kurt. Fischer, 2020, 272 Seiten; 13 Euro.