Umgang mit Psychopharmaka. Wirkungen, Nebenwirkungen und Alternativen von Nils Greve, Jan Dreher und Kerstin Riemenschneider

„Es gibt sehr unterschiedliche Behandlungsmethoden in der Psychiatrie, von denen die Behandlung mit Medikamenten nur eine Möglichkeit ist. In den letzten Jahren wurde die Bedeutung von ganzheitlichen Behandlungsplänen erkannt und immer häufiger umgesetzt. Ein wichtiger Baustein ist die Psychotherapie, ein weiterer der Einbezug der Familie und des persönlichen Umfeldes. Auch Sport, Ernährung und natürlich die Klärung von aktuellen Problemen wie Belastungen am Arbeitsplatz oder Beziehungsproblemen gehören zur Behandlung.“ (Seite 15)

In Umgang mit Psychopharmaka stellen die Autor:innen initial vor, wie man einen selbstbewussten Umgang mit Ärzten und Medikamenten erreichen kann. Hier wird auf den Arzt-Patient-Kontakt eingegangen, es werden praktische Tipps zur Handhabung von Medikamenten gegeben und nicht-medikamentöse Hilfen aufgelistet.

Danach setzen sich die Autor:innen mit unterschiedlichen Psychopharmaka-Gruppen auseinander: Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Tranquilizer und Hypnotika, Antipsychotika, Medikamente zur Entgiftung und Abstinenzerhaltung, Medikamente gegen Aufmerksamkeitsstörungen.

Schließlich geben die Autor:innen Informationen für schwangere und stillende Mütter, für Psychopharmaka im Alter und zu Arzneimittelstudien und zur Schwierigkeit, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Ganz am Ende finden sich ein Glossar sowie nützliche Adressen und Literatur.

Ich habe vor vielen Jahren bereits eine frühere Ausgabe des Buches gelesen und in der Zwischenzeit eine Verhaltenstherapie-Ausbildung gemacht, viel klinische Erfahrung gesammelt, meine ambulante Tätigkeit beendet und viele Jahre im Bereich der Psychosenpsychotherapie gearbeitet, sodass ich sehr viel dazugelernt habe. Die Lektüre dieser Neuausgabe fand ich unter diesen Voraussetzungen extrem spannend, zumal ich Jan Dreher von seinem Kanal PsychCast kenne und ich seine Einstellung zu medikamentöser Behandlung sehr erfrischend und wichtig finde.

Dieses Buch ist sehr wertschätzend geschrieben, ist informativ, hilfreich, überredet nicht zu Medikamenten, macht aber gleichzeitig auch keine Angst.

Es ist so knapp gehalten, dass man schnell Informationen findet, und gleichzeitig finde ich es so ausführlich, dass man die wichtigsten Details über Medikamente erfahren kann.

Ich habe mir hier sehr viele Abschnitte angestrichen, die ich gerne Psychoseerfahrenen vorlesen möchte. Diese Ausführungen treffen genau ins Schwarze, machen Mut, sind aber auch nicht verharmlosend oder fordern zu riskantem Verhalten auf, sondern sprechen auf ganz komplexe Weise sowohl Risiken als auch Vorteile von Psychopharmaka, aber auch Risiken und Vorteile eines Verzichts auf Psychopharmaka an. Dies ermöglicht Betroffenen und auch Angehörigen eine sehr fundierte Meinungsbildung und ist meiner Meinung nach ein extrem wichtiges Buch.

Nils Greve, Jan Dreher und Kerstin Riemenschneider: Umgang mit Psychopharmaka. Wirkungen, Nebenwirkungen und Alternativen. Psychiatrie Verlag, 2026, 176 Seiten; 22 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!