Suizid in der Psychotherapie. Informationen und Unterstützung für Behandelnde von Tobias Teismann, Birgit Wagner und Laura Hofmann

„Zusammenfassend bedeutet dies, dass das Vorliegen einer psychischen Störung einen echten Risikofaktor für suizidales Erleben und Verhalten darstellt – und gleichzeitig, dass die allerwenigsten Menschen, die an einer psychischen Störung leiden, durch einen Suizid sterben werden.“ (Seite 9)

Tobias Teismann, Birgit Wagner und Laura Hofmann setzen sich in ihrem Buch zum einen mit Grundlagen und verschiedenen Erfahrungen mit Suiziden auseinander. Sie besprechen in diesem Abschnitt zum Beispiel den Hindsight‑Bias, blicken auf die Empirie der Patientensuizide und lassen Betroffene von Patientensuizid ihre Geschichte erzählen, zum Beispiel von Suizid in der Ausbildung, im stationären oder ambulanten Setting.

Im nächsten Abschnitt gehen die Autor:innen auf emotionale Anforderungen ein, etwa Schuld- und Schamgefühle, Trauer und Selbstwirksamkeit. Sie berichten zudem von äußeren Anforderungen, zum Beispiel Angehörige oder Mitpatient:innen nach einem Suizid in der Klinik, und beschreiben schließlich die organisatorischen Anforderungen, etwa die Rolle der Institution oder Einrichtung, Postvention, Supervision und Intervision sowie Peer-Support.

Im Abschnitt 3 erfährt der Leser mehr zu rechtlichen Rahmenbedingungen, zum Beispiel Rechtslage und Dokumentation.

Ich habe so gut wie täglich mit Suizidalität zu tun und finde das Thema wichtig und dieses Buch extrem hilfreich.

Ich habe bereits sehr viele (und sehr gute!) Bücher von Teismann zum Thema Suizidalität gelesen, und dieses Buch setzt einen etwas anderen Fokus. Hier geht es nicht primär um Psychoedukation und Strategien, die man psychotherapeutisch bei Suizidalität anwenden kann, sondern vielmehr darum, wie man als Behandler mit dem Suizid eines Patienten zurechtkommen kann, wie man nicht nur der Ohnmachtsfalle, sondern auch der Allmachtsfalle entkommt.

Ich finde dies extrem wichtig, hilfreich, relevant und sehr spannend. Dabei schreiben die Autor:innen sehr wertschätzend, machen trotz alledem Mut und vermitteln auf realistische Weise, wie Suizide verhindert werden können, dass man aber leider nicht jeden Suizid verhindern kann.

Gut fand ich die Normalisierung, dass ein Patientensuizid kein therapeutisches Versagen bedeutet, und ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch allen Betroffenen von Patientensuiziden extrem helfen kann.

Tobias Teismann, Birgit Wagner und Laura Hofmann: Suizid in der Psychotherapie. Informationen und Unterstützung für Behandelnde. Beltz, 2026, 149 Seiten; 39 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!