Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein von Benjamin Maack

„[…] Depressionen sind geschickt. Ist man gesund, kann man sich nicht mehr daran erinnern, wie es war, krank zu sein. Und ist man krank, kann man sich nicht vorstellen, je wieder gesund zu werden.“ (Seite 29)

Schlafstörungen, ausgeprägte Ängste, ein Gefühl der Gefühllosigkeit, dysfunktionale Gedanken, immer wieder aufkommende Suizidgedanken: Benjamin Maack befindet sich mitten in einer depressiven Episode.

Es ist nicht das erste Mal, dass er sich so fühlt, und auch beim letzten Mal hat er sich professionelle Hilfe in einer psychiatrischen Klinik gesucht.

In Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein erzählt Maack auf ebenso eindringliche wie eindrückliche Weise von seinem Leben mit Depressionen, von der Hoffnungslosigkeit, der Sehnsucht nach dem Tod bzw. einem Ende des Leidens, von Wirkungen und Nebenwirkungen von Psychopharmaka, von selbstverletzendem Verhalten.

Ich bin klinische Psychologin und arbeite derzeit vor allem mit Menschen mit affektiven Störungen. Maacks Erfahrungen und seine Schilderungen waren mir also alles andere als fremd. Trotz meiner eigenen Kenntnisse hat mich Maacks Buch sehr bewegt, und ich empfand die Einblicke in seine Gedanken und Gefühle sehr wichtig und wertvoll, um psychische Erkrankungen im Allgemeinen und eine Depression im Besonderen besser verstehen zu können und letztendlich auch zu entstigmatisieren.

Als jemand „vom Fach“ haben mich viele Schilderungen nicht so sehr schockiert, wie das bei anderen Lesern mit weniger Erfahrung sein mag, die Maacks Ausführungen möglicherweise schwer aushaltbar finden. Potenzielle Leser sollten wissen, dass Maack z.B. sehr detailliert von Suizidgedanken und Suizidplänen spricht.

In seinem Buch verharmlost und beschönigt Maack nichts, auch nicht die Suizidgedanken, die ihm einerseits wie ein rettender Anker erscheinen, die sich andererseits aufdrängen, die er nicht denken und die er nicht umsetzen will.

Ich habe mir beim Lesen viele Sätze markiert, die ich besonders klug und berührend fand, und ich kann das Buch allen empfehlen, die mehr darüber erfahren möchten, wie sich Menschen mit Depressionen fühlen, was sie denken, warum sie sich so verhalten, wie sie sich verhalten.

Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein ermöglicht ein tiefes Eindenken und Einfühlen in eine Depression. Darüber zu lesen ist nicht schön und nicht einfach, aber mehr darüber zu erfahren und dadurch mehr zu verstehen, ist meiner Meinung nach enorm wichtig und längst überfällig.

„Ich habe Tränen in den Augen. Nicht, weil ich es so schön finde, so rührend […]. Ich weine, weil ich weiß, dass ich jetzt etwas fühlen müsste. Aber da ist nur diese müde, zittrige Leere in mir. Ich weine, ja. Aber ich weine um mich, um den Benjamin, der in diesem Moment nicht das Richtige fühlt.“ (Seite 20)

Benjamin Maack: Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein. Suhrkamp Verlag, 2020, 333 Seiten; 18 Euro.

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