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Die Mittellosen von Szilárd Borbély

„Das Leben ist schwarzweiß. Oder farblos und deshalb unsichtbar.“

Der namenlose Ich-Erzähler wächst Ende der 1960er Jahre in einem ungarischen Dorf auf. Seine Kindheit ist geprägt von Gewalt, Armut, Hunger, Trostlosigkeit und emotionaler Abgestumpftheit.

Im Dorf sind Antisemitismus und Antiziganismus an der Tagesordnung, und auch der Ich-Erzähler und seine Familie werden geächtet und ausgegrenzt.

Szilárd Borbély beschreibt in Die Mittellosen eine grausame Kindheit, die man sich kaum vorstellen kann und deren Realitätsgehalt man gerne als reine Fiktion abtun möchte. Beim Lesen des Anhangs wird jedoch schnell klar: Der Roman weist autobiografische Züge auf, und die Verarbeitung seiner eigenen Kindheitserlebnisse führten beim Autor zu einer schweren Depression, die schließlich in einem Suizid endete. Die Mittellosen von Szilárd Borbély weiterlesen

Kafkas Sohn von Szilárd Borbély

„Dieser Roman spielt in Osteuropa. In Wirklichkeit ist es gar kein Roman und spielt auch nirgendwo. Er erzählt keine Ereignisse, wie ein Roman sonst Geschichten erzählt, er möchte ihm nur ähneln. In Wirklichkeit erzählt er vom Reisen. Vom Reisen Kafkas, der mit Kafka nicht identisch ist. Das heißt, vom Bleiben an ein und demselben Fleck, ohne dass das Reisen seinen Sinn verlöre. In Wirklichkeit erzählt er nicht von Franz Kafka, dem Sohn Kafkas, sondern vielmehr vom Vater. Das heißt von Kafkas Vater, dem gefürchteten Hermann Kafka.“

Ich war letztes Jahr restlos begeistert von Szilárd Borbélys Debütroman Die Mittellosen, der 2013 im ungarischen Original und im Herbst 2014 in deutscher Übersetzung erschienen ist. Den Erscheinungstermin in Deutschland und den internationalen Erfolg seines Romans hat Borbély, der vom Literaturnobelpreisträger Imre Kertész „der vielversprechendste und verlorenste ungarische Dichter“ genannt wurde, nicht mehr erlebt, denn im Februar 2014 hat sich Borbély suizidiert. Kafkas Sohn von Szilárd Borbély weiterlesen