Recovery und Empowerment von Andreas Knuf

„Recovery- und empowermentorientiert zu arbeiten ist eine große Herausforderung für alle psychiatrisch Tätigen. Es klingt auf den ersten Blick so einfach und fachlich selbstverständlich, ‚ressourcenorientiert‘ zu arbeiten, Selbstbestimmung zu fördern oder Hoffnung zu stiften – in der alltäglichen Begegnung mit den Klientinnen und Klienten ist all das manchmal verdammt schwierig. Es erfordert eine engagierte Arbeit und ein hohes Maß an Selbstreflexion, denn der Sog in Richtung Defizitorientierung und Fremdbestimmung bis hin zur Resignation auch aufseiten der Helfenden ist enorm.“ (Seite 8)

Andreas Knuf, den ich schon von seinen Büchern Bevor die Stimmen wiederkommen und Umgang mit Gefühlen in der psychiatrischen Arbeit kenne, erklärt in seinem PraxisWissen-Titel, was Recovery und Empowerment sind, berichtet von der Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit, stellt das Recoverymodell von Ralph et al. (2004) vor und geht näher auf Themen wie Förderung von Hoffnung und Zuversicht, Ressourcenorientierung, Selbstbestimmung, Psychopharmaka, Selbsthilfe, Psychoedukation, Eigenaktivität, Fremd- und Selbststigmatisierung sowie Akzeptanz ein.

Empowerment (= Selbstbefähigung; meint „die Rückgewinnung von Stärke und den Einfluss betroffener Menschen auf ihr eigenes Leben sowie eine Emanzipation der Betroffenen selbst“, Seite 11) und Recovery (Genesung; „wobei Genesung nicht als Symptomfreiheit verstanden wird, sondern ein Weg hin zu einem freudvolleren und zufriedeneren Leben“, Seite 13) sind beides Ansätze, die ich extrem wichtig finde, über die ich deshalb mehr erfahren wollte und die ich gerne intensiver bei meiner Tätigkeit als klinische Psychologin nutzen möchte.

Recovery und Empowerment ist ein wunderbares Buch, das sich fast belletristisch liest, aber unglaublich viel Wissen vermittelt. Mich haben Knufs Ausführungen begeistert und hoffnungsvoll gestimmt, und ich habe beim Lesen gemerkt, dass ich schon viel von Knufs Schilderungen bei meiner eigenen Arbeit umsetze, habe jedoch auch weitere Anregungen bekommen, wie ich Recovery und Empowerment noch mehr in meinen beruflichen Alltag integrieren kann.

Wie immer bei den PraxisWissen-Titeln ist auch Knufs Buch sehr übersichtlich aufgebaut, sehr verständlich geschrieben, sehr praxisrelevant und sehr wertschätzend, so dass ich es gerne weiterempfehle.

„In einer Psychiatrie, die ich mir wünsche, treffen sich zunächst einmal Menschen, die sich dort in verschiedenen Rollen begegnen, aber immer um das gemeinsame Menschsein wissen. Wenn wir uns dem anderen näher fühlen, sind wir zu mehr Akzeptanz und Mitgefühl in der Lage und können ihn leichter so behandeln, wie wir in einer Krisensituation vielleicht selbst auch behandelt werden möchten, nämlich mit Respekt und auf Augenhöhe.“ (Seite 153)

Andreas Knuf: Recovery und Empowerment. Psychiatrie Verlag, 2020, 160 Seiten; 20 Euro.

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