Nachtschicht in Neukölln. Eine Polizistin erzählt von Lana Atakisieva

„Meine gesamte Schullaufbahn in Deutschland war davon geprägt, dass mir Leute gesagt hatten, ich würde es nicht schaffen […].“ (Seite 153)

Lana Atakisieva ist Polizeioberkommissarin in Berlin-Neukölln. In Nachtschicht in Neukölln‘ erzählt sie vom Aufwachsen im aserbaidschanischen Baku, vom Umzug nach Deutschland als 15-Jährige, von Hauptschule, Jugend in Zehlendorf, Umzug nach Neukölln, Wechsel aufs Gymnasium, erster Liebe, Auszug bei den Eltern, Abitur und Bachelor-Studiengang.

Zudem berichtet sie (natürlich!) von ihrer Arbeit bei der Polizei, von konservativen Familien, Messerstechereien, Drogendealern, aggressiven Nachbarn, lauten Studentenpartys und Trickbetrügern.

Dabei wechseln sich die Episoden aus Atakisievas Leben und ihren Berufserfahrungen als Polizeioberkommissarin ab, und sie verwebt immer wieder eigene Erlebnisse mit denen anderer Menschen, zieht Parallelen, erklärt Sachverhalte anhand eigener Erfahrungen.

Mir hat das Buch insgesamt gefallen. Ich mag Geschichten direkt aus dem Leben, durch die man eine Perspektive einnehmen kann, die einem sonst verwehrt bliebe. Atakisieva erzählt auf sehr empathische und sympathische Weise von sich und von Neukölln, wodurch man einerseits Einblicke in den Kampf einer Frau erhält, die vom Leben mehr will, als lediglich den Traditionen zu folgen, und andererseits Insiderinformationen bezüglich einer Tätigkeit bekommt, von der man sonst eher wenig mitbekommt.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass der Titel meiner Meinung nach etwas andere Geschichten impliziert. Die Geschichten ihrer Tätigkeit werden unterhaltsam und anschaulich erzählt, sind meiner Meinung nach aber eher etwas lahm, thematisieren eher Alltagskriminalität. Wer bei „Neukölln“ z.B. an Clan-Kriminalität denkt oder insgesamt ungewöhnlichere Fälle erwartet, der wird hier wenig Input bekommen.

Lana Atakisieva: Nachtschicht in Neukölln. Eine Polizistin erzählt. hanserblau, 2021, 208 Seiten; 18 Euro.

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