Mann am Boden von Roger Smith

„Wir sind so gewohnt, uns vor anderen zu verbergen, dass wir uns schließlich vor uns selber verbergen.“ (La Rochefoucauld)

Vor zehn Jahren hat John Turner seine Heimat Südafrika zusammen mit seiner Ehefrau Tanya und seiner Tochter Lucy verlassen, nachdem er in große Schwierigkeiten geraten ist.

In Tucson Arizona haben sie sich ein neues Leben aufgebaut, und Turner lässt mittlerweile die Finger von Drogen, Pillen und Alkohol, verdient sein Geld mit dem Verkauf des „PoolShark“ und hat es zu einem gewissen Wohlstand gebracht.

Eines Tages tauchen drei Männer mit Pistolen und Skimasken auf der Terrasse von Turners Haus auf. Sie wollen Geld, und sie wollen die Familie quälen und möglicherweise auch töten.

Aber so überraschend wie es auf den ersten Blick scheint, ist der Überfall für Turner nicht, denn er hat möglicherweise seine Hände im Spiel…

Ich habe schon einige Bücher von Roger Smith gelesen, und jedes Mal finde ich sie brutal, abstoßend, viel zu viel – aber unfassbar fesselnd und packend, auch wenn Thriller normalerweise nicht auf meiner Leseliste stehen.

Mann am Boden toppt alles, was ich an schlimmen Büchern von Smith gelesen habe und hat mich aufgrund der allzu extremen und expliziten Gewaltschilderungen bisweilen an American Psycho von Bret Easton Ellis erinnert, ein Buch, das ich damals für Wochen zur Seite legen musste, weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe.

Smiths Südafrika ist auch in Mann am Boden ein Ort, von dem man so viel wie möglich Abstand sucht und der sofort nach dem Lesen von der Reise-To-do-Liste gestrichen wird. Der in Johannesburg geborene Südafrikaner Smith erweckt in Mann am Boden die schrecklichsten Abgründe der Menschheit zu Leben, schreibt von Drogen und Alkohol, Prostitution und sexueller Gewalt, Folter und Mord, Gestank und Dreck, Armut und Verzweiflung. Er tut dies auf erbarmungslose Weise, ist sprachlich vulgär und brutal, beschönigt nichts – und er tut dies alles mit einer Perfektion, die erschreckend, aber auch fesselnd ist. Man möchte sein Buch mittendrin zuschlagen, in der hintersten Ecke des Bücherregals verstecken, damit man es nicht einmal mehr sieht, damit man nicht ständig an den albtraumhaften Inhalt erinnert wird, aber man liest und liest und liest immer weiter, obwohl man sich innerlich schüttelt und ekelt und von dieser schieren Gewalt und der Gosse abgestoßen ist.

Ich muss sagen, dass ich die Gewaltdarstellungen bei Mann am Boden viel zu viel und viel zu unnötig fand. Auch mit weniger expliziten Schilderungen hätte der Autor meiner Meinung nach einen ähnlichen Effekt beim Leser erzeugt, und eigentlich möchte ich kein Buch empfehlen, das Gewalt so in den Fokus rückt und den Leser bei der Lektüre so sehr quält.

Aber gleichzeitig ist die Geschichte unglaublich gut konstruiert, durch die Szenenwechsel, die den Leser abwechselnd in die US-amerikanische Gegenwart und die südafrikanische Vergangenheit Turners versetzen, ist das Buch so packend, dass man immer weiterlesen muss, weil sich die Geschichte im Verlauf immer mehr entblättert und so sehr große Spannung aufgebaut wird.

Mein Resümee finde ich selbst unbefriedigend, denn ich weiß immer noch nicht, ob ich das Buch empfehlen soll oder nicht.

Ein Versuch: Bitte nicht lesen, wenn man irgendwann noch einmal nach Südafrika reisen will! Bitte nicht lesen, wenn man allzu extreme Gewaltdarstellungen schlecht verdauen kann! Bitte nicht lesen, wenn es einem nicht gelingt, manche Stellen eher zu überfliegen, weil es einfach unvorstellbar brutal ist, was man hier zu lesen bekommt.

Roger Smith: Mann am Boden. Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Tropen, 2018, 319 Seiten; 14,95 Euro (Taschenbuch) bzw. 11,99 Euro (Kindle Edition).

Dieser Post ist Teil des Südafrika-Themas im Juni 2018.

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