Kanada von Richard Ford

„[…] das war seine Art, mir ins Gedächtnis zu rufen, dass, egal was das eigene Leben zu beweisen scheint, egal für wen man sich hält, was man sich auf die Fahnen schreibt, woraus man Lebenskraft zieht oder worauf man stolz ist – dass alles Mögliche passieren kann, mit allen möglichen Folgen.“

Der Roman Kanada erzählt vom Leben des Ich-Erzählers Dell in den USA und in Kanada. Dell wächst zusammen mit seiner Zwillingsschwester Berner bei seinen Eltern in den USA auf. Seine Kindheit ist geprägt von zahlreichen Ortswechseln und einer damit verbundenen Entwurzelung, in Dells Jugend hält der Vater sich und seine Familie mit wechselnden Jobs am Rande der Kriminalität über Wasser. Als sein Vater schließlich seine Schulden nicht bezahlen kann, entschließt er sich, eine Bank zu überfallen. Nach der Verhaftung seines Vaters wird Dell nach Kanada gebracht und baut sich dort ein neues Leben auf.

Mir hat Kanada sehr gut gefallen. Richard Ford erzählt im ersten Teil des Romans detailliert von den Geschehnissen direkt vor, während und unmittelbar nach dem Banküberfall und beschreibt die Protagonisten so genau, dass man sie sich perfekt vorstellen kann.

Von der ersten Zeile an erzeugt der Autor große Spannung, indem er den Ereignissen vorgreift, bereits früh wichtige Wendungen und Geschehnisse erwähnt, dadurch den Leser aber stets neugierig darauf macht, WIE es zu diesen Wendungen kommen konnte, WARUM bestimmte Dinge passiert sind. Mir hat diese Erzählweise sehr gut gefallen, die ich eher ungewöhnlich fand und die Ford sehr überzeugend eingesetzt hat.

Auch sprachlich hat mich der Roman begeistert, denn Ford schreibt anspruchsvoll, aber dennoch flüssig und gut verständlich.

Richard Ford: Kanada. Aus dem Englischen von Frank Heibert. Hanser, 2012, 464 Seiten; 24,90 Euro.

Dieser Post ist Teil des Nordamerika-Themas im Februar 2017.

2 Gedanken zu „Kanada von Richard Ford“

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