Gun Love von Jennifer Clement

„Man lernt schnell, dass Träume besser sind als das Leben, sagte meine Mutter.“ (Seite 39)

Seit 14 Jahren lebt Pearl mit ihrer Mutter am Rande des Indian Water Trailerparks in Florida. Direkt nach Pearls Geburt ist ihre Mutter von Zuhause weggelaufen und hat sich in ihrem Auto häuslich niedergelassen.

Pearl erfährt viel Liebe von ihrer Mutter, die versucht, das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, für ihre Tochter zu sorgen und sie emotional zu stärken.

Dann taucht Eli Redmond auf, ein Freund von Pastor Rex, der auch im Trailerpark lebt. Eli beginnt eine Affäre mit Pearls Mutter, und damit ändert sich Pearls Leben von Grund auf: Ihre Mutter verbringt jede freie Minute mit Eli und geht schließlich nicht mehr zur Arbeit, die Polizei wird auf die Mutter aufmerksam und bedroht sie, Eli schenkt der Mutter eine Waffe, die fortan im Auto liegt, Pearl zerstreitet sich mit ihrer einzigen Freundin und streunt allein durch die Gegend. Währenddessen blüht der Waffenhandel im Trailerpark auf, und alle scheinen in die schmutzigen Machenschaften verwickelt zu sein.

Jennifer Clement, deren Roman Gebete für die Vermissten schon seit Jahren auf meiner Wunschliste steht und den ich trotzdem noch nicht gelesen habe, erzählt auf detailreiche und lebendige Weise die Geschichte um Pearl, deren Mutter, den Trailerpark und das Waffenproblem in den USA.

Dabei zeigt Clement auf überzeugende Weise die Verbundenheit zwischen Mutter und Tochter, die durch den neuen Mann im Leben der Mutter langsam brüchig wird, und versetzt einen von der ersten Seite an in den Trailerpark und damit in eine Welt von Schmutz, Müll, Gestank, Gewalt, Drogen und Entbehrungen.

Gun Love wird aus Pearls Sicht erzählt. Die Schilderungen wirken dabei kindlich und authentisch, zeigen dem Leser die Gedanken und Gefühle der 14-Jährigen, deren Leben sich bisher in einem Ford Mercury und im näheren Umfeld des Trailerparks abgespielt hat und deren Welt sich durch den Waffenhandel im Trailerpark schließlich vollkommen verändert.

Gun Love ist ein schönes und ein trauriges Buch, das ich sehr empfehlen kann und das mich noch neugieriger auf Gebete für die Vermissten gemacht hat.

Jennifer Clement: Gun Love. Aus dem amerikanischen Englisch von Nicolai von Schweder-Schreiner. Suhrkamp Verlag, 2018, 251 Seiten; 22 Euro.

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