Eine Frage der Zeit von Alex Capus

„Zwang zur bösen Tat“

Anton Rüter kämpft sich durch das überschwemmte Ostafrika. Er ist hungrig, erschöpft, verzweifelt und ohne große Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet.

Vier Jahre zuvor hat er die Götzen gebaut und sie nach der Schiffstaufe wieder in ihre Einzelteile zerlegt. Vom norddeutschen Papenburg aus wurde das Schiff schließlich in 5000 Holzkisten nach Deutsch-Ostafrika gebracht.

Rüter soll die Götzen vor Ort – am Tanganikasee – wieder zusammenbauen. Doch dann bricht der erste Weltkrieg aus und die Welt – und damit auch das Leben in den Kolonien – gerät aus den Fugen.

Alex Capus gelingt eine atmosphärische Beschreibung Deutsch-Ostafrikas zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Eine Frage der Zeit hat mich von den ersten Seiten an ins koloniale Afrika versetzt und vermittelt einen lebendigen Eindruck der Situation in den (deutschen) Kolonien.

Dabei ist Capus‘ Sprache einfach und deutlich weniger anspruchsvoll als beispielsweise Joseph Conrads Herz der Finsternis (ein Buch, das ich sehr schätze). Die Charakterisierung der Protagonisten ist dennoch überzeugend, die Schilderungen wirken authentisch.

Das erste und das letzte Drittel des Buches haben mir sehr gut gefallen, das mittlere Drittel wies meiner Meinung nach einige Längen auf. Wer sich für Kolonialismus und Afrika interessiert und ein einfaches und leicht zugängliches Buch sucht, ist hier meiner Meinung nach aber genau richtig.

Alex Capus: Eine Frage der Zeit. dtv, 2018, 304 Seiten; 10,90 Euro.

Dieser Post gehört zum Kolonialismus-Monatsthema im Juni 2021.

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