Dunkelgrimm von Brüder Grimm (Hörbuch)

„Die Frau führte die Kinder noch tiefer in den Wald, wo sie ihr Lebtag noch nicht gewesen waren.“ (CD 3, Track 7, Hänsel und Gretel)

Grimms Märchen haben mir in meiner Kindheit den ein oder anderen Albtraum beschert, obwohl die meisten Veröffentlichungen die fiesesten Details und die brutalsten Folterungen auslassen. Aber bereits die Tatsache, dass Kinder allein durch dunkle Wälder streifen, böse Stiefmütter schöne Mädchen mit Äpfeln vergiften, Prinzessinnen nach einem Fluch einer uneingeladenen Fee ein tristes Leben in einem Schloss führen oder die sieben Geißlein sich vor dem bösen Wolf in Standuhren etc. verstecken, hat mich vor vielen Jahren um den Schlaf gebracht.

Dunkelgrimm ist eine Steigerung dieser altbekannten Märchen, denn hier wird nichts verschwiegen: Väter essen ihre eigenen Kinder auf, es wird gemordet, gefoltert und zerstückelt. Ich fand die Märchen, von denen einige bekannt und andere eher unbekannt sind, oft unheimlich, aber auch sehr stimmungsvoll und atmosphärisch, was durch die beiden Sprecher noch verstärkt wurde. Ich halte Thomas Dehler und Claudia Gräf für die perfekte Besetzung für die Märchen, denn Dehlers tiefe, markante Stimme und Gräfs weichere Stimme bieten einen guten Kontrast zueinander und sorgen für Abwechslung. Beide lesen die Märchen auf sehr passende und ansprechende Weise, und ich habe ihnen durchweg gerne gelauscht und habe es genossen, wie sie mir die abgründige und gruselige Seite der Kinder- und Hausmärchen näher gebracht haben.

Auch das Booklet hat mir gut gefallen. Hier finden sich Informationen zu Gewalt und Sexualität in den Märchen, zur Arbeit der Brüder Grimm und ihre Lebensläufe.

Dunkelgrimm ist sicher nicht für Kinder geeignet, aber sehr spannend und sehr faszinierend für Erwachsene, die die Märchen der Brüder Grimm in einer ursprünglicheren und düsteren Version kennenlernen möchten.

Brüder Grimm: Dunkelgrimm. Die 30 dunkelsten Märchen der Brüder Grimm. Gesprochen von Claudia Gräf und Thomas Dehler. BUCHFUNK Verlag, 2018; 14,90 Euro.

Dieser Post ist Teil des Wald-Monatsthemas im Dezember 2018.

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