Die Liebe im Ernstfall von Daniela Krien (Hörbuch)

„Kein Mensch war, wie man ihn haben wollte. Paula hoffte, dass die Zeit die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit schließen würde.“ (CD 1, Track 6)

Daniela Krien erzählt in ihrem zweiten Roman die Geschichte von fünf Frauen, deren gemeinsamer Nenner das Aufwachsen in der ehemaligen DDR ist (wovon man meiner Meinung nach wenig merkt) und deren Lebenswege sich aus verschiedenen Gründen kreuzen.

Krien schreibt von der Buchhändlerin Paula, deren Tochter nach einer Impfung stirbt und deren Ehe danach zerbricht, von der Ärztin Judith, die beruflich voll eingespannt ist und in ihrer Freizeit exzessiv Onlinedating betreibt, von der Schriftstellerin Brida, die eine Affäre mit ihrem Ex-Mann Götz hat, von der Violinistin Malika, die von ihrer großen Liebe Götz für Brida verlassen wurde, und von der Schauspielerin Jorinde, die unglücklich in ihrer Ehe ist.

Ich hatte vor der Lektüre von Die Liebe im Ernstfall noch nichts von Krien gelesen, und der Titel hätte mich im Normalfall auch nicht angesprochen, da er für meinen Geschmack zu sehr nach einem typischen Frauen-/Liebesroman klingt. Da ich auf der Leipziger Buchmesse allerdings ein Interview mit der Autorin hörte, ich ihr Auftreten sympathisch und die Thematik spannend fand, habe ich schließlich das Hörbuch gehört.

Insgesamt hat mir der Roman gut gefallen. Zwar könnte man dem Buch vorwerfen, dass es vordergründig zu sehr um Themen wie Fremdgehen, Sex oder beruflichen Erfolg geht, aber in meinen Augen drehte sich Die Liebe im Ernstfall eher um Beziehungsgeflechte, Einsamkeit, Trauer, Traurigkeit, Gefühllosigkeit, was sich für mich psychologisch sehr stimmig anfühlte und weswegen ich dem Hörbuch gerne gelauscht habe.

Ein Grund für meine (vor allem anfängliche) Begeisterung war sicherlich die erste Geschichte, bei der ich sehr gut mitschwingen konnte, weil der Verlust, den Paula erfahren hat, sehr gut und überzeugend herausgearbeitet wurde, so dass mich das Buch direkt für sich gewinnen konnte. Auch im Verlauf empfand ich die Figuren als authentisch und komplex, obwohl sich meine Sympathie für sie nach und nach in Abneigung entwickelt hat. Meiner Meinung nach stellen sich alle fünf Frauen zu sehr als Opfer dar, handeln aber selbst egozentrisch, sind manipulativ und interessieren sich nur für ihre eigenen Belange.

Diese anfangs eher sympathischen Protagonistinnen wurden so zu unsympathischen Zeitgenossinnen, mit denen ich nichts gemein haben will und von denen ich mich im echten Leben lieber fernhalte. Dies spricht aber eher für als gegen den Roman, denn ich finde es erstaunlich und beeindruckend, wenn Literatur es schafft, große Gefühle auszulösen, unabhängig davon, ob es Empathie oder ob es Abneigung ist.

Die fünf Frauenfiguren werden von Anna Schudt (Paula), Bibiana Beglau (Judith), Jeanette Hain (Brida), Nina Kunzendorf (Malika) und Maren Eggert (Jorinde) gelesen. Dabei empfand ich einige Sprecherinnen hervorragend, vor allem Anna Schudt, andere etwas zu abgehackt gelesen (Bibiana Beglau) oder ein wenig zu emotional vorgetragen (Jeanette Hain).

Was mich letztendlich aber wirklich am Roman gestört hat, ist die Tatsache, dass zu viele Fragen offen und ungeklärt geblieben sind. Vielleicht ist deshalb der Funke nicht ganz übergesprungen.

Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall. Ungekürzt gelesen von Bibiana Beglau, Maren Eggert, Nina Kunzendorf, Jeanette Hain und Anna Schudt. Diogenes, 2019; 24 Euro.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.