Das Geheimnis der Winterschläfer von Lisa Warnecke

„Doch der Begriff <Winterschlaf> ist denkbar irreführend. Denn erstens schlafen Tiere während dieser Zeit gar nicht und zweitens muss sie nicht zwingend im Winter liegen.“

In Das Geheimnis der Winterschläfer erzählt die promovierte Biologin Lisa Warnecke von dem Zustand, der in der Allgemeinbevölkerung als „Winterschlaf“ bekannt ist, von Biologen jedoch „Torpor“ genannt wird und zu dem nur Vögel und Säugetiere fähig sind, die so ihren Energiebedarf um 99 Prozent senken. Im Torpor werden lebenserhaltende Funktionen wie der Stoffwechsel, der Herzschlag und die Körpertemperatur stark heruntergefahren, so dass die Tiere leblos erscheinen, obwohl sie den Zustand selbst stark regulieren und aus eigener Kraft wieder verlassen können.

Zum Thema Torpor wurde bereits viel geforscht, aber nichtsdestotrotz ist unser Wissen über das Phänomen noch immer lückenhaft, und Torpor gibt Forschern noch immer Rätsel auf:

„Wie schaffen Tiere es nur, sechs Monate des Jahres kalt und fast bewegungslos zu verbringen, ohne Schäden davonzutragen? Welche Vorgänge laufen dabei im Körper ab und welche Tiere nutzen weltweit Winterschlaf? Geht es dabei wirklich nur um die Einsparung von Energie?“

Warnecke geht dem Rätsel um den Torpor nach und berichtet von ihren Forschungstätigkeiten zum Thema. Sie erzählt in Das Geheimnis der Winterschläfer von Hamburger Igeln, kanadischen Fledermäusen, australischen Beuteltieren und madagassischen Lemuren. Dabei beschreibt sie im ersten Teil ihres Buches, wie sich die Tiere auf den Winterschlaf vorbereiten und wie die ersten Winterschlafmonate ablaufen. Im zweiten Teil geht sie näher auf die Vorgänge während des Torpor bis zum Beginn der nächsten Aktivitätsperiode ein.

Warnecke hat sich intensiv mit dem Thema Torpor beschäftigt, zeigt eine große Faszination für den Winterschlaf, ist neugierig und respektvoll gegenüber den Tieren, und sie steckt den Leser mit ihrer Begeisterung an, lässt ihn staunen und einen einzigartigen Blick auf Winterschläfer werfen.

Neben den Informationen über die Tiere und den Torpor im Allgemeinen bietet Warnecke zudem Einblicke in ihren Forschungsalltag: Sie nimmt den Leser mit zu ihren Ausflügen und erläutert Begriffe aus Biologie und Wissenschaft, z.B. Feld- versus Laborstudien, Sympathikus versus Parasympathikus, vegetatives versus somatisches Nervensystem. Dadurch behält auch ein Laie den Überblick und lernt nebenbei an praktischen Beispielen, wie Wissenschaft „funktioniert“, wie die Tätigkeiten eines Wissenschaftlers aussehen, wie der Weg zu Forschungsergebnissen abläuft.

Doch auch Fortgeschrittene in Sachen Wissenschaft, Biologie und Torpor können hier bisher unbekannte, erstaunliche Informationen lesen und so Neues entdecken.

Das Buch wird ergänzt durch s/w-Abbildungen und ein ausführliches Literaturverzeichnis.

Lisa Warnecke: Das Geheimnis der Winterschläfer. C.H. Beck, 2017, 204 Seiten; 19,95 Euro.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.