Das Basler Trackkonzept. Recoveryorientierte Akutpsychiatrie aus multiprofessioneller Perspektive von Undine Lang (Hg.)

„Psychotische Überzeugungen sind oftmals Ausdruck eines Bemühens der Betroffenen, Sinn in einer veränderten Wahrnehmungswelt zu finden. Sie beruhen nicht auf Irrationalität, sondern auf der bestmöglichen Interpretation der vorhandenen Informationen in einem veränderten Erleben.“ (Seite 67)

Dieses Buch setzt sich mit dem Basler Trackkonzept auseinander – einem innovativen, recovery-orientierten Behandlungsmodell in der Akutpsychiatrie, das an den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel entwickelt wurde. Dabei werden Betroffene nicht mehr nach starren Stationsgrenzen oder rein symptomorientiert behandelt, sondern durchlaufen flexible Behandlungspfade, sogenannte Tracks, die von der Aufnahme bis zur ambulanten Nachsorge reichen. Das therapeutische Team bleibt dabei im Idealfall über verschiedene Phasen wie akutstationär, tagesklinisch und ambulant hinweg dasselbe, wodurch Beziehungsabbrüche beim Wechsel der Behandlungsform verhindert werden.

Im Buch finden sich Beiträge von ärztlichen, pflegerischen und psychologischen Behandlern sowie aus der Betroffenenperspektive. Zudem finden sich Abschnitte speziell für das Trackkonzept für Psychose, für Abhängigkeitserkrankungen, für Alterspsychiatrie etc.

Ich beschäftige mich schon sehr lange mit Psychosen und seit einigen Jahren viel mit Recovery-Orientierung, die der wichtigste Baustein meiner psychotherapeutischen Arbeit mit Psychoseerfahrenen ist. Ich habe dieses Buch vor allem in Bezug auf die Behandlung von Psychosen gelesen und habe hier spannende Impulse bekommen, obgleich mir viele Inhalte bereits geläufig waren.

Beim Lesen habe ich gesehen, wie stark recovery-orientiert ich bereits denke und arbeite, was mich sehr gefreut hat – nicht nur bei Menschen mit Psychosen, sondern auch bezüglich suchttherapeutischer Aspekte.

Dieses Buch bietet sehr wichtige und spannende Einblicke, und ich empfehle es vor allem Menschen, die im akutpsychiatrischen Bereich arbeiten.

„Die Akutphasenpsychotherapie orientiert sich konsequent an den Zielen der Betroffenen. Wie Johns et al. (2020) betonen, besteht das primäre Ziel der Psychotherapie dabei nicht darin, psychotische Symptome zu beseitigen oder die wahnhaften Überzeugungen der Betroffenen in Frage zu stellen, um die Krankheitseinsicht zu verbessern, und ebenso wenig darin, die Medikamentencompliance zu verbessern. Vielmehr ist es wichtig, gemeinsam mit den Betroffenen an selbst formulierten, subjektiv wichtigen und konkreten Zielen zu arbeiten, die mit einer Rückgewinnung von (sozialem) Lebensspielraum einhergehen.“ (Seite 73)

Undine Lang (Hg.): Das Basler Trackkonzept. Recoveryorientierte Akutpsychiatrie aus multiprofessioneller Perspektive. Psychiatrie Verlag, 2026, 205 Seiten; 45 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!