Barfuß durch Hiroshima, Band 1. Kinder des Krieges von Keiji Nakazawa

„Für manche Zyniker mag Nakazawas Glaube an das Gute im Menschen >>Barfuß<< zum Kinderbuch abstempeln, doch das Entscheidende ist, dass der Autor, wenn er von seinem eigenen Überleben berichtet, nicht bloß von den Ereignissen erzählt, die er durchlebt hat, sondern von der philosophisch-psychologischen Grundlage dieses Überlebens. Sein Werk ist humanistisch und human, denn es zeigt und unterstreicht, wie notwendig es ist, dass wir Menschen Verständnis füreinander aufbringen, wenn wir noch ein weiteres Jahrhundert erleben wollen.“ (Seite 9, Einführung von Art Spiegelman)

Ich habe mich bisher nur wenig mit dem Zweiten Weltkrieg in Japan und mit dem Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki beschäftigt, so dass ich mit dem Comic von Keiji Nakazawa eher unbekanntes Terrain betreten habe.

Bereits die Einführung von Spiegelman, dessen ‚Maus‘ ich vor vielen Jahren mit großer Begeisterung gelesen habe, macht jedoch schon so neugierig auf Nakazawas Barfuß durch Hiroshima-Reihe, dass ich den ersten Band in einem Rutsch durchgelesen habe. Und nach der Lektüre war mir sofort klar, dass ich auch die restlichen drei Bände der Reihe lesen werde.

Nakazawa erzählt in seinem Comic von Gen, der mit seiner Familie in Hiroshima lebt und dessen Leben von Bombenalarm, Hunger, Schikane und Gewalterfahrungen geprägt ist. Gens Vater kritisiert offen die japanische Politik und den Krieg, wird aus diesem Grunde inhaftiert, was weitreichende Folgen für die Familie hat, die dadurch Ausgrenzung und Willkür erfährt.

Erst spät im Comic kommt es zum Atombombenabwurf auf Hiroshima, und durch den langen Vorlauf gibt Nakazawa diesem Ereignis ein Gesicht und eine persönliche Note, denn bis dahin hat man als Leser über all die Seiten hinweg Gen und seine Familie, aber auch die Nachbarn und viele weitere Bewohner Hiroshimas kennengelernt, und einige der Figuren sind einem regelrecht ans Herz gewachsen.

Mich hat der Comic sehr bewegt, und er hat dafür gesorgt, dass das ganze Ausmaß der Katastrophe nicht nur rational, sondern auch emotional besser verstehbar und einfühlbar wurde. Dabei ist der Comic zudem hervorragend gezeichnet, wobei die Zeichnungen allesamt sehr ausdrucksstark sind.

Zusammen mit der bewegenden Handlung, die übrigens zum Teil auf Nakazawas eigenen Erfahrungen beruht, ist dem Autor eine überzeugende und lehrreiche Geschichte gelungen, auf deren Fortsetzung ich mich bereits sehr freue.

Keiji Nakazawa: BArfuß in Hiroshima. Band 1. KInder des Krieges. Aus dem Japanischen von Nina Olligschläger. Carlsen Verlag, 2004, 299 Seiten; 14 Euro.

Dieser Post ist Teil meines Radioaktivität-Monatsthemas im Mai 2020.

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