Sommer 24 von Navid Kermani (Hörbuch)

„Wie soll man sich orientieren in einem Leben, dessen Koordinaten nicht mehr zu stimmen scheinen?“ (Klappentext)

Navid Kermani erzählt in Sommer 24 unter anderem die Geschichte von seinem Freund Rudolf, einem Juden, dessen Eltern die Shoah überlebt haben und der schließlich mit der AfD sympathisiert, rechte Parolen vertritt und durch assistierten Suizid stirbt.

Kermani berichtet auch von einer Frau, die er vor langer Zeit in einer Kneipe getroffen hat, die ihm von ihrer Vergewaltigung erzählt hat, über die er schließlich ohne ihr Einverständnis schreibt, was sie als zweite Vergewaltigung empfindet.

Kermani thematisiert zudem den Ukraine-Krieg, Antisemitismus und Gaza-Krieg und erzählt von anderen Konflikten auf der Welt.

In Sommer 24 beschreibt Kermani Widersprüche in seinem Leben und in seinem Umfeld, in der heutigen Zeit und in unserem Alltag, zeigt dabei ein hohes Ausmaß an Ambiguitätstoleranz, was meiner Meinung nach eine ebenso wichtige wie seltene Eigenschaft ist.

Ich empfand nicht alle Teile dieses Hörbuchs als gleich spannend, und wie viele andere Leser:innen beziehungsweise Hörer:innen fand ich die Geschichte von der vergewaltigten Frau, über die Kermani recht unbedarft eine Geschichte schreibt und wie er auch später damit umgeht, als irgendwie pietätlos und enttäuschend – vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, was für ein respektvoller, bedachter und reflektierter Mensch Kermani eigentlich ist.

Sommer 24 wurde grandios von Jens Harzer eingelesen. Seine einfühlsame, melancholische und damit perfekt passende Interpretation von Sommer 24 hat dafür gesorgt, dass ich hier extrem gerne gelauscht habe.

Navid Kermani: Sommer 24. Ungekürzte Lesung von Jens Harzer. Argon Verlag, 2026; 13,95 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!