
„Die Psychologie des Bösen zeigt uns, dass es nicht DEN Täter gibt, nicht DAS Monster. Und doch kehren Motive wieder: Macht, Kontrolle, Rache, sexuelle Dominanz, das Ausleben von Fantasien, die in keinem moralischen Raster Platz finden. Solche Motive entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie wurzeln oft in frühen Erfahrungen: Zurückweisung, Gewalt, Missbrauch. Nicht jeder, der Schlimmes erlebt, wird Täter. Aber fast jeder Täter trägt in seiner Biografie Spuren, die seine spätere Gewalt erklären helfen.“ (Seite 10f)
Axel Petermann erzählt in seinem Buch von drei Fallgeschichten: von Carola Raabe, die 1989 im Alter von 13 Jahren spurlos verschwunden ist; von Roger B., der schon in seiner Kindheit Mädchen würgte und später kriminell und gewalttätig war; sowie von einer Messerattacke, bei der die 34-jährige Sonja Hauser starb und für die ein Käsereilehrling zu einer Jugendstrafe von 13 Jahren verurteilt wurde.
Ich lese sehr gerne True Crime und interessiere mich schon seit vielen Jahrzehnten für forensische Psychiatrie und Strafrecht.
Dieses Buch enthält nur drei Fälle. Das bedeutet bei fast 400 Seiten Text, dass diese sehr ausführlich erzählt werden. Vor der Lektüre war ich skeptisch, ob das wirklich spannend ist und ob das nicht irgendwie langatmig wird. Tatsächlich ist das Buch aber sehr gut lesbar, flüssig geschrieben, sehr detailreich, lebendig erzählt und sehr spannend!
Es bietet interessante und lehrreiche Einblicke in Ermittlungsarbeit und, trotz der Länge der einzelnen Fallgeschichten, hat mich Petermann gut mitreißen können, wobei mir die zweite Geschichte von allen am besten gefallen hat, da sie sehr packend und besonders abwechslungsreich ist.
Hier kann man einiges über Strafrecht, über Psychologie und über Psychopathologie lernen.
Axel Petermann: Die Psyche des Bösen. Im Kopf der Mörder. Ein Profiler ermittelt. Heyne Verlag, 2026, 384 Seiten; 16 Euro.