Einsamsein. Eine Befreiungsgeschichte von Daniel Haas

„Ich war einsam, nicht erst jetzt, als ausgebrannter, arbeitsloser und von der Freundin verlassener Single. Ich war schon seit langem einsam, und die Wohnungen, die ich seit meiner Studienzeit in den Achtzigerjahren bewohnt hatte, erschienen mir nun als perfekte Kulisse für meine Verfassung.“ (Seite 14)

Nach dem Suizid des Vaters 1984 entschließt sich 2021 auch die Mutter von Daniel Haas zu ihrem Suizid – mithilfe des Schweizer Sterbehilfevereins Exit.

Dazwischen liegen Jahre der Einsamkeit, der Isolation und Verwahrlosung des Autors, von Depression und Pandemie. Haas hatte irgendwann alles verloren: seinen Job als Journalist, seine Partnerin, sein Buchprojekt.

In Einsamsein erzählt Haas von seiner Mutter und ihrem zweiten Ehemann, vom Suizid der Mutter und des Vaters, von der Zeit nach dem Suizid der Mutter – und immer wieder von Einsamkeit, die ihn schon seit jeher begleitet hat. Er erzählt zudem von der Flucht nach vorn in die Manie sowie von der Suche nach Zuneigung und Verbundenheit.

Mir hat der Einstieg ins Buch insgesamt sehr gut gefallen. Ich empfand den Autor als einnehmend in seiner Offenheit und als entstigmatisierend. Im Verlauf fand ich ihn jedoch auch häufig herablassend, und trotz seiner Offenheit konnte er mich emotional irgendwie nicht wirklich erreichen, was vielleicht daran liegt, dass ich ihn oft ein wenig unangenehm und unsympathisch fand.

Letztendlich stehe ich dem Buch relativ unentschieden gegenüber: Einerseits finde ich es sehr wichtig, über Einsamkeit, Depression, Manie und generell über psychische Probleme zu sprechen. Andererseits hat mich der Autor irgendwie nicht so richtig für sich einnehmen können.

„Mein Einsamsein, so wird es sich mir in den folgenden Monaten erschließen, basiert weniger auf enttäuschten Wünschen nach Liebe und Zuwendung als auf der Unfähigkeit, sich dieser Zuwendung auszusetzen, sie zu ertragen.“ (Seite 157)

Daniel Haas: Einsamsein. Eine Befreiungsgeschichte. Goldmann, 2026, 224 Seiten; 22 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!