
„Ja, wir Ärztinnen und Ärzte verfügen über Wissen über Physiologie, Pharmakologie und Anatomie, wir besitzen ein recht umfassendes theoretisches und wissenschaftlich fundiertes Wissen über den Menschen und seine Erkrankungen. Das darf uns jedoch nicht dazu verleiten, paternalistisch, bevormundend oder gar rechthaberisch zu agieren.“ (Seite 12f)
Der Palliativmediziner Michael Hatzenbühler, der etwa 5000 Sterbende begleitet hat, erzählt in seinem Buch initial, was natürliches Sterben überhaupt ist, geht näher auf unbegründete Ängste ein, spricht von natürlichen Veränderungen in den Sterbephasen, thematisiert Akzeptanz des Sterbens, bietet Empfehlungen und Anregung für Sterbende und für Angehörige, beschreibt, was die Hospizbewegung und die SAPV, die spezialisierte ambulante Palliativversorgung, sind. Am Ende erklärt er was kurative und was palliative Behandlung bedeutet.
Dieses Buch ist sehr konfrontativ. Doch wenn man sich auf die Lektüre einlässt, dann ist das Buch auch extrem entpathologisierend, hilft beim Verstehen und eventuell auch beim Akzeptieren.
Gefallen haben mir auch die vielen Zitate im Buch sowie die Fallgeschichten von Sterbenden. Ich habe hier sehr viel an eigene Verluste gedacht, war oft bewegt, traurig.
Ich finde, dass dies ein extrem wichtiges Buch ist, das zwar betroffen macht, aber das sich um ein Thema dreht, mit dem man sich auseinandersetzen muss.
Ich empfehle das Buch vor allem für Menschen, die mit Sterbenden arbeiten, aber auch für alle anderen, denn dieses Thema geht uns alle an – ob wir wollen oder nicht.
Michael Hatzenbühler: Der natürliche Sterbeverlauf. Die letzten vier Phasen am Lebensende. Mabuse, 2025, 102 Seiten; 18 Euro.