Zwischen den Attentaten von Aravind Adiga

Anhand der fiktiven Stadt Kittur erzählt Aravind Adiga vom Leben in Indien, von Traditionen, von den Zwängen und dem Durchbrechen des Kastensystems, von Vorurteilen, vom Konflikt zwischen Hindus und Muslims. Stellvertretend für den ganzen Subkontinent lässt er seine Protagonisten zu Wort kommen, die der Leser in manchmal kürzeren, manchmal längeren Episoden begleitet.

Zwischen den Attentaten liest sich bisweilen wie ein Reiseführer: Adiga gibt Empfehlungen, welche Orte der interessierte Reisende in Kittur aufsuchen sollte, und vermittelt Informationen zur Verteilung der Kasten und Religionen in der Stadt.

Die Schilderungen der Schicksale einzelner Bewohner Kitturs, deren gemeinsamer Nenner die Stadt selbst ist, verdichten sich zu einem umfassenden und komplexen Bild des indischen Subkontinents.

Wer Der weiße Tiger bereits kennt, wird Zwischen den Attentaten vielleicht etwas redundant  finden. Ich zumindest habe den Eindruck gehabt, dass der Autor bisweilen ähnliche Gedanken wieder aufgreift und sich dabei selbst wiederholt. Der „Aufhänger“ ist zwar ein anderer, doch inhaltlich bietet Zwischen den Attentaten im Vergleich zu Adigas Erstling wenig Neues.

Nichtsdestotrotz liest sich der Roman flüssig und unterhaltsam und gibt einen spannenden Einblick in eine Welt, in der die Fehler der Reichen auf den Rücken der Armen ausgetragen werden, und wo die Fehler der Armen bisweilen katastrophale und erschütternde Konsequenzen nach sich ziehen.

Aravind Adiga: Zwischen den Attentaten. Aus dem Englischen von Klaus Modick. C.H. Beck, 2009, 384 Seiten; 19,90 Euro.

Diese Rezension ist Teil des Indien-Themas im Januar 2017.

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