Weißer Asphalt von Tobias Wilhelm

„hätte schlimmer kommen können. Viel schlimmer.“ (Seite 181)

Eine deutsche Kleinstadt in den Nullerjahren: Der namenlose Ich-Erzähler war bereits zwei Jahre im Jugendknast, ist nun auf Bewährung draußen und macht sein Abitur. In seiner Freizeit hängt er meistens mit seinen Freunden Sascha, Fabio und Ariano ab, nimmt Drogen, dealt und gerät immer wieder in gewaltsame Auseinandersetzung.

Als er mit Dana zusammenkommt, die zuvor Fabios Freundin war, scheint sich das Leben des Ich-Erzählers zum Besseren zu wenden. Doch als Dana einen Studienplatz in Frankfurt/Main annimmt, steigt er ins Kokaingeschäft ein.

Tobias Wilhelm erzählt in seinem Debütroman Weißer Asphalt vom Erwachsenwerden, vom Abgleiten in die Kriminalität, von Drogen, Sex und Gewalt. Er spricht von einem Leben im Rausch und von Unverbindlichkeit, aber auch von tiefer Freundschaft, die selbst Entfernungen und Schicksalsschläge überwinden kann, und von Liebe und emotionaler Nähe, die es ermöglichen, dass man sein Leben ändern, einen neuen Weg einschlagen, das Alte hinter sich lassen kann.

Durch diese komplexe Sicht auf die vier Freunde, ihr Leben und ihre Erlebnisse ist Weißer Asphalt nicht nur düster und unheilschwanger, sondern auch hoffnungsvoll und trotz der behandelten Themen optimistisch.

Die Sprache in Weißer Asphalt ist oft derb, was zum beschriebenen Milieu passt und nie unpassend oder aufgesetzt wirkt. In diesem Zusammenhang hat mich Wilhelms Roman oft an Bücher wie Submarino von Jonas T. Bengtsson oder Wir da draußen von Fikry El Azzouzi erinnert, die mir ausgesprochen gut gefallen haben.

Letztendlich hat mich der Roman nicht vollends begeistern können, obwohl er sich schnell liest, durchweg fesselt und inhaltlich überzeugt. Mir persönlich sind jedoch zu viele Fragen nicht beantwortet worden, so dass der Roman auf mich etwas unfertig gewirkt hat.

Tobias Wilhelm: Weißer Asphalt. hanserblau, 2019, 192 Seiten; 16 Euro.

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