Vom Anfang und Ende der Schizophrenie. Eine neuropsychiatrische Perspektive auf das Schizophrenie-Konzept von Ludger Tebartz van Elst

„Wir kennen die Schizophrenie nicht. Viele fragen, ob es sie überhaupt gibt. Aber das Wort ist weiterhin in Gebrauch, als Floskel im Alltag und als klinische Diagnose. Seit mehr als 100 Jahren versuchen Wissenschaftler, die Schizophrenie aus dem Dunst der klinischen Praxis in das Licht der wissenschaftlichen Erforschung zu ziehen. Bis jetzt mit geringem Erfolg.“ (Seite 15, Geleitwort von Stephan Heckers)

Ludger Tebartz van Elst ist Neurowissenschaftler und Professor für Psychiatrie und Psychotherapie in Freiburg. In Vom Anfang und Ende der Schizophrenie setzt er sich mit neuropsychiatrischen Erkenntnissen bezüglich der Zukunft der Diagnose Schizophrenie auseinander. Er berichtet zudem von Symptomen und Verlauf, Stigmatisierung und Selbststigma, Krankheit und Gesundheit, Genetik und Umweltfaktoren, Schizophrenie-Konzept und Umbenennung in Japan, dimensionale und kategoriale Klassifikation.

Ich habe mich schon sehr viel mit der Schizophrenie beschäftigt, auch neurowissenschaftlich. Der sehr biologische Blick von Tebartz van Elst auf die Schizophrenie ist somit einer, der auch mir geläufig war, den ich mittlerweile aber (zum Glück) hinter mir gelassen habe.

Mir war Vom Anfang und Ende der Schizophrenie insgesamt zu stark biologisch ausgerichtet. Zwar erzählt der Autor sehr viel von anderen Aspekten der Schizophrenie, und vor allem die Ausführungen zur Psychopathologie empfand ich als sehr hilfreich und lehrreich, doch ein starker Fokus seiner Schilderungen liegt auf Neurobiologie und Neurotransmission, während andere Facetten der Störung und ihrer Ätiologie stark (bzw. komplett) vernachlässigt werden.

Ich bin hier auf viel Bekanntes, aber auch auf Neues gestoßen, habe viel dazugelernt, obwohl mir die Thematik bereits sehr geläufig war. Gelungen fand ich auch die ausführlichen Fallkasuistiken und die knapper gefassten Fallbeispiele.

Dass eine Abschaffung der Diagnose die Behandlung von Betroffenen mit Schizophrenie verbessert (v.a. die psychotherapeutische Behandlung) oder das Stigma deutlich verringert, wage ich zu bezweifeln. Aber die Argumentation des Autors zu lesen, das fand ich dennoch spannend und bereichernd.

Ludger Tebartz van Elst: Vom Anfang und Ende der Schizophrenie. Eine neuropsychiatrische Perspektive auf das Schizophrenie-Konzept. Kohlhammer, 2021, 284 Seiten; 39 Euro.

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