Inside IS – 10 Tage im „Islamischen Staat“ von Jürgen Todenhöfer

„Krieg ist der Terror der Reichen, Terror der Krieg der Armen.“

Jürgen Todenhöfer berichtet in Inside IS einleitend von Al Qaida und Abu Musab Al Zarkawi, von Osama bin Laden und Ayman Al Zawahiri, von IS/ISI/ISIS und Abu Bakr Al Baghdadi, von der Geschichte des Islamischen Staates und dem Einfluss der USA. Dabei zieht er Parallelen zu anderen Epochen, Regionen und zu den Angriffskriegen des Westens und macht so deutlich, dass der Terror des IS nicht neu ist und worin die Ursachen für das Entstehen und das Erstarken des IS liegen.

Aus seiner Zeit als Referendar und als Richter hat Todenhöfer gelernt, „auf der Suche nach der Wahrheit immer mit beiden Seiten zu sprechen. Auch wenn die Welt ihr Urteil bereits gesprochen hatte.“, und so nimmt er Kontakt zu Jihadisten auf und reist schließlich selbst in den „Islamischen Staat“, um mit Anhängern vor Ort zu reden und die Gegebenheiten mit eigenen Augen zu sehen.

Ich habe mich schon intensiv mit dem Islam und dem Islamismus sowie der Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens beschäftigt und empfand Todenhöfers Buch als besonders gelungen und empfehlenswert, da die Thematik hervorragend aufbereitet wurde und sich das Buch sehr flüssig und spannend liest. Damit eignet sich Inside IS auch perfekt für Einsteiger ins Thema, die sich noch nicht intensiver mit den oben genannten Themen auseinandergesetzt haben.

Sehr gut gefallen hat mir von Anfang an, dass Todenhöfer nicht nur packend schreibt, sondern im Vergleich zu anderen Autoren dennoch sehr sachlich bleibt und eine zu stark emotional gefärbte und reißerische Berichterstattung vermeidet, obgleich seine Ablehnung des IS durchweg deutlich wird.

Für seinen Mut kann ich Todenhöfer nur bewundern, mich aber auch ungläubig fragen, wie er die Gefahr auf sich nehmen konnte, tatsächlich mitten ins Kriegsgebiet Rakka und in die IS-Hochburg Mossul zu reisen. Die so gewonnenen Einblicke sind jedoch von sehr großem Wert, denn Todenhöfer ermöglicht mit seiner Reise und seinem Buch einen einzigartigen Blick auf den IS, zeigt beide Seiten und räumt außerdem mit ein paar Vorurteilen auf, z.B. durch seine Schilderungen von Mossul.

Inside IS ist somit ein extrem spannendes Sachbuch, das sich bisweilen wie ein Krimi liest und sehr viel Wissen vermittelt.

Jürgen Todenhöfer: Inside IS – 10 Tage im „Islamischen Staat“. Penguin Verlag, 2017, 285 Seiten; 10 Euro.

Dieser Post ist Teil des Themas „Flucht und Migration“ im April 2017.

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