Im Land der kaputten Uhren. Mein marokkanischer Roadtrip von Miriam Spies

„Vorne im Bus hing eine Digitaluhr, die mich schmunzeln ließ: 14:02 Uhr. Wozu gibt es in Marokko eigentlich Uhren, wenn die sowieso alle falsch gehen?“ (Seite 37)

Miriam Spies entflieht dem deutschen Winter und macht sich mit wenig Geld, kaum Gepäck und ohne viel Geplane auf den Weg nach und durch Marokko.

In Im Land der kaputten Uhren erzählt sie von Islam und König Mohammed VI, Alkohol und Drogen, Taschentuchimperium und Toiletten, Katzen und Schlafmangel, Medina und Feilschen, Rollenverteilung und Polygamie, Flüchtlingen und Enklaven, Chefchaouen und Königsstädten, Minaretten und Roquia, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft.

Marokko steht schon sehr viele Jahre auf meiner Reise-To-do-Liste, aber trotz meiner Faszination für Land, Leute, Küche und Kultur habe ich es trotzdem nie geschafft, in das nordafrikanische Land zu reisen. Deshalb habe ich mich ganz besonders auf diesen virtuellen Roadtrip durch Marokko gefreut und hatte gehofft, dass ich viel über das Land erfahre und durch stimmungsvolle Beschreibungen ganz tief in das Land, seine Geschichte und seine Kultur eintauchen kann.

Leider ist das Buch zwar unterhaltsam geschrieben, aber ich finde, man erfährt eher wenig über Marokko selbst. Der Fokus liegt hier ganz klar auf den persönlichen Erlebnissen der Autorin und auf dem Kennenlernen der Mentalität der Marokkaner – das ist spannend, aber ich hätte mir etwas mehr Info zum Land selbst gewünscht.

Der Funke ist also nicht ganz übergesprungen, und auch sprachlich hat mir Im Land der kaputten Uhren nicht immer gefallen, da sich Spies bisweilen betont gewählt ausdrückt, was auf mich eher wenig authentisch wirkte. Als störend empfand ich zudem, dass das Buch überhaupt nicht in Kapitel unterteilt ist, wodurch es von Anfang an eher unsortiert auf mich wirkte. Das mag Absicht gewesen sein, aber mein Ding war das eher nicht.

Was nach der Lektüre blieb, war Reiselust auf Marokko, das Vorhaben, mich wieder mehr mit dem Land zu beschäftigen, und ein unglaublicher Appetit auf Harira, dem ich sofort und gerne nachgegeben habe.

Miriam Spies: Im Land der kaputten Uhren. Mein marokkanischer Roadtrip. Conbook, 2019, 288 Seiten; 14,95 Euro.

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