Gaza. Überlebensberichte aus einem zerstörten Land von Samar Yazbek

„Wer kann all diesen Schmerz ertragen?“ (Seite 12)

Samar Yazbek stellt in ihrem Buch Berichte aus Gaza vor. Dabei kommen Personen im Alter zwischen 13 und 65 Jahren zu Wort, sowohl Männer als auch Frauen, und sie alle leben im Gazastreifen, zum Beispiel in Khan Yunis, in Nord-Gaza, im Flüchtlingslager Dschabalya, im Sabra-Viertel in Zentral-Gaza.

Wir lesen hier Geschichten von Eltern, die bei Detonationen ihre toten, verbrannten, (schwer-) verletzten Kinder aufgefunden haben. Wir erfahren von ihren Gedanken, Gefühlen, Befürchtungen und Hoffnungen. Wir lesen von Ärzten, die von der Bombardierung von Krankenhäusern und der Zerstörung von Babystationen berichten. Wir erfahren von Folter und Misshandlungen.

Ich freue mich, dass in den letzten Monaten mehrere Bücher über und aus Gaza veröffentlicht wurden. Meiner Meinung nach war dies lange überfällig, und das Thema Nahostkonflikt verträgt meiner Meinung nach ein bisschen mehr Ambiguitätstoleranz, als das bisher in den Medien und in der Gesellschaft der Fall war. Das Leid der Menschen in Palästina zu sehen, ernst zu nehmen und zu kritisieren ist nicht automatisch Antisemitismus, sondern Empathie mit Opfern und Entrüstung ob der Auslöschung eines ganzen Volkes.

Dieses Buch zeigt sehr deutlich, dass die Unterdrückung der Menschen in Gaza nicht mit dem 7.10.2023 begann, auch nicht mit der zweiten Intifada, sondern dass dies ein jahrzehntelanger Zustand ist, der nun einen absoluten Gipfel erreicht hat.

„Der Tod hat nicht erst jetzt begonnen, wir sterben schon seit langer Zeit. […] Seit siebzig Jahren lässt uns die ganze Welt im Stich.“ (Seite 35)

Ich habe mich schon sehr viel mit dem Nahost-Konflikt befasst, aber was man hier zu lesen bekommt, ist fast nicht aushaltbar. Ich empfand das Buch als beeindruckend, sprachgewaltig, erschütternd und berührend. Beim Lesen kamen bei mir Gefühle von Ekel, von Wut, von Trauer hoch, und der Inhalt zeigt, wie unmenschlich, entwürdigend, entmenschlichend die Menschen in Gaza leben.

„Ich bin kein Mitglied irgendeiner Gruppierung oder Partei, ich habe keine Verbindung zur Hamas, und die palästinensischen Behörden interessieren mich nicht. Alles, was ich möchte, ist, in Frieden zu leben. So wie die anderen Palästinenser auch.“ (Seite 64)

Samar Yazbek: Gaza. Überlebensberichte aus einem zerstörten Land. Aus dem Arabischen von Larissa Bender und Leonie Nückell. Unionsverlag, 2026, 272 Seiten; 24 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!