Für mich soll es Neurosen regnen. Mein Leben mit Zwangsstörungen von Peter Wittkamp

„Gefühl der Angst, obwohl man erkennt, dass alles an dieser Angst irrational ist.“ (Seite 44)

Die ersten Zwangshandlungen (ein Waschzwang) traten bei Peter Wittkamp – Autor, Werber, Gagschreiber – in seiner Jugend auf, doch verschwanden dann wieder. Zwanzig Jahre später kehren sie zurück, diesmal als eine ganze Palette an Zwängen, v.a. als Kontrollzwang und als magisches Denken.

In Für mich soll es Neurosen regnen erzählt Wittkamp von seinen Zwängen, wie sein Alltag aussieht, was er gegen die Zwänge tagtäglich tut und wie schwer das ist.

Er erklärt an seinen eigenen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, was ein Zwang ist, wie sich Zwänge entwickeln, was eine Zwangsstörung genau ausmacht, was kurz- und langfristige Konsequenzen von Zwangshandlungen und Zwangsgedanken sind, und wie man sie wieder los werden kann. Zudem macht er deutlich, was Spleens und Schrullen von einer Zwangsstörung unterscheidet, erzählt von Psychotherapie und Psychiatrie, bietet persönliche Tipps, was gegen Zwänge helfen kann.

Ich bin „vom Fach“, habe aber noch keine praktische Erfahrung mit der psychotherapeutischen Behandlung von Zwängen. Ich kenne den theoretischen Hintergrund aber recht gut und finde, dass es Wittkamp sehr gut gelungen ist, diesen auch für Laien verständlich zu machen. Ganz besonders gefallen hat mir, dass Wittkamp sehr gut erklärt, was Zwänge genau sind und warum es so schwer ist, Zwangshandlungen und Zwangsgedanken einfach zu unterlassen, wieso dies so starke Ängste auslöst.

Wittkamp zeigt aber auch auf sehr anschauliche Weise, wie stark Zwänge den Alltag dominieren und das Leben verändern, wie sehr sie zermürben und wie ein Teufelskreis aus Zwang und Angst entsteht und aufrechterhalten wird.

Für mich soll es Neurosen regnen ist amüsant und selbstironisch, aber auch tragisch. Ich fand die Lektüre einerseits unterhaltsam, weil Wittkamp einfach zu unterhalten weiß, aber ich fand es auch gut und wichtig, dass er so ausführlich über Zwänge informiert und die Verzweiflung der Betroffenen zeigt, denn Zwänge werden immer noch gerne als schrulliges, lustiges Verhalten abgetan, das von der Allgemeinbevölkerung nicht recht ernst genommen wird. Wittkamp wird diesem Aspekt gerecht und klärt so auch Nicht-Betroffene über die oft wenig einfühlbare Thematik auf, so dass er mit seinem Buch eine dringend notwendige Aufklärungsarbeit leistet.

„Jedes Ding hat drei Seiten: eine positive, eine negative und eine komische.“ (Seite 100, Zitat von Karl Valentin)

Peter Wittkamp: Für mich soll es Neurosen regnen. Mein Leben mit Zwangsstörungen. btb, 2019, 318 Seiten; 18 Euro.

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